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Archiv der Einträge: April, 2011
  • Meine armen Füße

    Kommt man von Prag nach Wetzlar, kommt man vom Regen in die Traufe. Kopfsteinpflaster und Treppen ohne Ende.

    IMAG0177

  • Prager Fotoimpressionen: Wenzelsplatz

    Rund um den Wenzelsplatz

    Historisches Museum am Wenzelsplatz

    Prager treffen sich "unterm Schweif". Landesfürst Václav wurde 935 von seinem Bruder ermordet. Er wurde bald zum Heiligen und Landespatron.

    Wenzel verkehrt zu Pverd

    In der Lucernapassage reitet Vaclav mal andersrum, geschaffen von David Cerny.

    Gedenktafel für Jan Palach

    1969 verbrannte sich am Wenzelsplatz Jan Palach aus Protest gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings" und die Invasion der Osttruppen. Die schlichte Gedenktafel ist immer mit Blumen geschmückt.

    Fischmassage

    Nebenan lassen sich Damen ihre Füße von kleinen Fischen massieren - und das im Schaufenster.

  • Prag-Impressionen IV

    Donnerstag, 4. Tag

    Heute habe ich mir die Sohlen abgelaufen. Nicht tatsächlich, aber meine Füße fühlen sich so an. Die Schuhe sind noch ganz intakt, schöne leichte Sommerslips. Aber lieber hätte ich ein paar feste Schuhe mitgenommen, denn ganz Prag besteht aus Kopfsteinpflaster. Von den Häusern und Menschen jetzt mal abgesehen.

    Die Liebste und ich sind gelaufen und gelaufen. Und das bei strahlendem Sonnenschein - sprich: im Hotel hatte ich am Abend drei tropfnasse Unterhemden hängen.

    Heute war der letzte Tag unserer kleinen Reise. Die Herren ahnen schon, weshalb an diesem Tag Laufen (also genauer gesagt: Gehen, später Hinken und noch später Schwanken) angesagt war. Na?

    Wenn ich so schon frage, wissen Sie es auf jeden Fall. Heute war Shopping angesagt. Meine Liebste wird Ihnen bestätigen: ich bin einer der geduldigsten Einkaufsbegleiter, die die Welt gesehen hat.

    Wobei das heute auch ein Bußgang für mich war. Eine Buße vor Ihnen und vor meiner Liebsten gleichzeitig.

    Hatte ich doch gestern behauptet, sie habe über mich gesagt: "Du bist dumm". Das hat sie natürlich nie gesagt und zu Recht war sie sehr sauer über mich.

    "So etwas würde ich nie sagen", meinte sie. Und diejenigen, die sie perönlich und nicht nur aus meinen kleinen Erzählungen kennen, werden ihr das glauben.

    "EINMAL habe ich gesagt 'Du bist ein Depp', und das hast Du mir tagelang nachgetragen". Sie hat Recht, in sowas kenn ich nichts, da bin ich eine Mimose.

    Ich habe ihr versucht zu erklären, dass ein Blog immer einmal haarscharf an den reinen Fakten vorbeigehen muss, das ist die dichterische Freiheit.

    "Wenn ich demnächst in Pension gehe, werde ich einen Roman schreiben", habe ich ihr gesagt, "und da darfst Du dann auch nicht glauben, dass da alles wahr ist."

    So, jetzt ist es raus. Aber ich schwöre: "außer diesem einen Satz war alles wahr, was ich von Prag erzählt habe."

    Zurück zu unserer Einkaufstour.

    Quer durch Prag zieht sich der "Karlsweg". Vom Osten her verläuft er durch Neustadt und Altstadt über die Karlsbrücke hinüber zur Kleinstadt.

    Ein uralter Handelsweg - klar, dass wir dem folgen mussten. Schon aus historischen Gründen.

    Frühmorgens, noch bevor der Hahn krähte, ging es los. Das liegt aber nur daran, dass es hier keinen Hahn gibt. Tatsächlich sind wir natürlich erst losgegangen, als die Geschäfte auch offen hatten, die wunderbaren Shoppingcenters, von denen es hier mehr gibt als in Frankfurt, die kleinen Boutiquen und prachtvollen Geschäfte...

    Sie sehen, ich komme ins Schwärmen. Aber wissen Sie, Paul Gerhardt hat
    mit Recht gesungen

    Was helfen uns die schweren Sorgen
    was hilft uns unser Weh und Ach?
    Was hilft es, dass wir alle Morgen
    beseufzen unser Ungemach?
    Wir machen unser Kreuz und Leid
    nur größer durch die Traurigkeit

    Und in diesem Sinne bin ich frohgemut mit meiner Liebsten losgezogen, schließlich hatte sie sich Großes vorgenommen. Sie wollte nämlich in Prag ein Brautkleid erstehen.

    Nicht etwa, dass sie heute aus lauter Freude über die Royal Wedding selbst ein Brautkleid anziehen wollte. Nein, wir beide haben auf unsere alten Tage beschlossen, den Schritt vor den Traualtar zu wagen.

    Klar, dass man - Entschuldigung, Frau natürlich - da nicht mit Kate Konkurrenz machen will, aber schön aussehen soll es doch.

    Den Morgen haben wir es geschafft, vom Námesti Republiky aus am Rand der Altstadt entlang durch die Josefsstadt bis zur Karlsbrücke zu gehen.

    Wieviele Läden wir dabei abgesucht haben, kann ich Ihnen nicht sagen, meine vier Hände haben zum Abzählen bei weitem nicht ausgereicht. Sind es in der Umgebung des Nám Republiky eher die Shoppingcentres mit ihren kleinen Läden, wird es auf der Parizska sehr mondän. Auch die exquisitesten Läden haben wir heimgesucht. Allein: es war nichts Passendes zu finden.

    Eine kleine Rast eingelegt haben wir im Café Kafka in der Josefsstadt. Ich liebe Kafka, seit wir in der Schule dieses verstörende "Die Verwandlung" gelesen haben. Also kehren wir hier ein.

    Ein verschmutztes kleines Café, das aussieht, als habe hier Kafka vor 100 Jahren gesessen und Zitate seiner Werke selbst an die Wand gemalt. Die düstere Atmosphäre soll wohl kafkaesk wirken. Kafka hat oft in Cafés gesessen, in denen sich Literaten trafen. Hier definitiv nicht. Aber wir haben hier gesessen und über Zitate Kafkas nachgedacht.

    Cafe Kafka

    Gegen Mittag wollten wir dann die Karlsbrücke überqueren. Aber ein Blick Richtung Brücke genügte uns. Menschenströme kommen uns entgegen. Überhaupt, nirgends auf der Welt habe ich so viele Touristen gesehen, so viele schirmschwenkende Guides, Massen hinter sich her ziehend. Wo kommen die alle her? Haben die kein Zuhause? Was für ein Glück, das wir keine Touristen sind.

    Menschengewühl auf der Karlsbrücke

    Zum Glück kennen wir inzwischen auch die Seitengässchen und Abkürzungen. Die hier führt durch das Klementinum. Es ist ein kleines Wunder, dass man eine Straßenecke weit von den Touristenströmen kleine, schattige Idyllen findet.

    Idalle nebenan

    Inzwischen tuen die Füße soo weh, dass wir zum Hotel zurück müssen. Vor dem Giallo Rossa, der kleinen Pizzeria um die Ecke, stehen zwei kleine Tischchen. Man kann wunderbar in der Sonne sitzen. Die Pizze passen glücklicherweise gerade so auf den Tisch.

    Nach dem Mittagsschlaf im Hotel geht's noch einmal los. Dieses Mal vom Nám Republiky aus ostwärts werden die einschlägigen Läden abgeklappert. Ruhig sitze ich dabei, wenn die Liebste anprobiert. Aber jedesmal muss ich den Kopf schütteln. Nicht nur ich, auch sie ist nicht zufrieden.

    Aber was soll ich Ihnen sagen: im letzten Laden finden wir das passende Kleid. Natürlich im letzten Laden, denn von da an mussten wir ja nicht mehr suchen. Zu diesem Kleid braucht es aber noch eine Jacke. Hätten wir noch einen Tag...

    Nein, jetzt ist Schluß mit Suchen. Jetzt wissen wir, wo's hingeht. Das heißt, ich muss schon öfters einmal auf dme Stadtplan gucken, denn es geht durch winklige Gässchen. Unser Ziel ist das U Fleku. Seit 500 Jahren kommen hier Leute wie wir her, um beim 13%igen Flekschen Lagerbier einen Lendenbraten, ein Gulasch oder eine Haxe zu essen.

    Im U Fleku

    Nach ein paar dieser köstlichen Bierchen brechen wir auf. Zum Glück müssen wir jetzt nicht weit laufen, nur bis zur U-Bahn, dann eine Station fahren und dann ein paar Schritte zum Hotel. Und zum Glück haben wir eine Fahrkarte.

    Jetzt glauben Sie nicht, dass wir geizig sind. Die Fahrkarten hat uns Gudruns Tochter mitgegeben, die neulich auch schon einmal in Prag war. Zwei Stück a 18 Kronen, berechtigen zu einer Fahrt ohne Umsteigen. Passt genau.

    Aus dem Gewinkel des Viertels kommen wir irgendwie falsch raus, sind schon an der Moldau, also kehrt. Nirgends ein U-Bahn-Schild, aber ich habe vorhin die Station gesehen und tatsächlich finden wir sie. Die Rolltreppe führt unglaublich steil und tief nach unten. Noch ein Fleksches Bier mehr und ich wäre schneller unten gewesen.

    Die nächste Station steigen wir wieder aus. Ein Glücl, dass es jetzt nicht mehr weit ist. Aber sooft wir hier an diesem Platz auch schon waren, diese Ecke kenne ich nicht. Wie viele Ausgänge hat die U-Bahn? Aber ich kenne die Richtung. Also laufen wir los.

    Als wir an der Bethlehemkapelle ankommen, merken wir, dass etwas bzw. wir schiefgelaufen sind. Die richtige Richtung, aber haarscharf vorbei. Jetzt befinden wir uns am diametral entgegengesetzten Ende der Altstadt. ´

    Als wir schließlich im Hotel ankommen, schlage ich vor, noch ein Gläschen Wein zum Abschluss zu trinken. "Nur noch mal schnell aufs Klo", meint meine Liebste. So machen wir's. Aber als ich dann aus dem Klo komme, liegt sie schon im Bett. Erschöpft lege ich mich daneben.

    Und glücklich gucken wir das Ende von "Kiss me, Kate".

  • Prag-Impressionen III

    Heute hat es zum ersten Mal nicht geregnet. Und warum nicht? Weil wir heute unsere 6-stündige Tour durch Prag hatten und ich Petrus inständig gebeten hatte, schönes Wetter zu schicken. Und er hats getan.

    Die Tour habe ich gestern telefonisch bei der Agentur gebucht, die uns auch vom Flughafen abholt. Auch heute steht um halb elf wieder ein netter Taxifahrer vor der Hotelrezeption und bringt uns zum Treffpunkt in der Altstadt. Gut, das wären 10 Minuten zu Fuß gewesen, aber schließlich ist es im Preis enthalten.

    Das ganze soll für 6 Stunden Führung einschließlich Abholen per Taxi, Mittagessen und Getränk, Straßenbahnfahrt zur Burg und Schifffahrt auf der Moldau, wiederum mit einem Bier und einem Eis, 770 Kronen kosten, knapp 32 ? pro Person. Das halte ich für angemessen und wie sich herausstellt, ist die Führung den Preis auch wert.

    Allerdings auf Englisch. In Deutsch hätte es das Doppelte gekostet und so haben sich meine Liebste und ich - auf Deutsch natürlich - verständigt, dass unser Englisch hervorragend ist und wir sicher mühelos folgen können. Jetzt ganz ohne Quatsch, das konnten wir auch.

    Astronomische Uhr

    Kaum hat uns der nette Taxifahrer abgesetzt, kommt mein routinemäßiger Griff zum Telefon, ob mein gutes Stück noch da ist, dann zum Portemonnaie, ob es noch da ist. Andere Routinegriffe erspare ich mir. Das sind die beiden wichtigsten Dinge zum Überleben in der fremden Stadt. Einmal abgesehen von der Liebsten, aber die habe ich ja an der Hand.

    Nur zu dumm, dass ich diesen routinemäßigen Griff immer zu spät ausführe. Vor vierzehn Tagen habe ich erst einen Riesenschock bekommen, weil das Telefon weg war. Smartphone wohlgemerkt vom Feinsten. Habs aber wiederbekommen. Und vor ein paar Monaten wars schon mal weg, vier Wochen nachdem ichs gekauft habe. Habs aber wiederbekommen.

    Heute bekomme ichs auch wieder. Nachdem ich bei der freundlichen Dame von der Agenrur angerufen habe, die wiederum den Taxifahrer angerufen hat, ist er ein paar Minuten später da und bringt mir lächelnd mein Handy.

    "Du bist zwar dumm, aber du bist ein Glückspilz", meint meine Liebste in ihrer unglaublich zärtlichen Art und gibt mir einen Kuss. Was sie mit dumm meint in dem Fall, weiß ich nicht. Vielleicht fehlen mir ein paar lebenspraktische Fähigkeiten, aber die gleicht der Herrgott immer wieder aus. Fast.

    Dana ist eine nette junge Frau. Wir sind heute die einzigen, die sie führt. Sie spricht gutes Englisch, das wir wirklich einwandfrei verstehen können. Sie erzählt uns viel von Prag und auch ein wenig von ihrem Leben. Nein, Kinder hat sie keine. Sie wüsste auch gar nicht, wie sie die finanzieren sollte. Gut, andere machen das auch, aber sie wisse wirklich nicht wie.

    Sie zeigt uns einen Zeitungsartikel, der Preisvergleiche anstellt. Die meisten Dinge sind in Prag teurer als bei uns. "Außer Bier" lacht sie.

    Der erste Teil der Führung geht durch die Altstadt. Die Sehenswürdigkeiten, die sie uns zeigt, haben wir meist schon gesehen, aber sie führt uns durch interessante Seitengässchen und ganz nebenbei gibt sie uns einen Gesamtabriss der Geschichte Prags.

    Im Kellergewölbe eines kleinen Restaurants essen wir zu Mittag. Dana ist sehr überrascht, dass es auch in Deutschland Gulasch gibt und das sogar schon seit Generationen. Dazu trinken wir natürlich Bier, warum vergesse ich nur immer die Namen? Pilsner Urquell gibt es zwar überall, aber es ist nicht das Beste der unzähligen einheimischen Biersorten.

    Mit der Straßenbahn fahren wir hoch zur Burg. "Die größte Burganlage der Welt", erzählt Dana, seit dem 9. Jahrhundert immer wieder aus- und angebaut. Und bis heute Sitz des Präsidenten.

    Burg

    Ein langer Rundgang. Zwischendurch will sie mit uns das beste Eis Prags essen, aber leider hat das Cafe das Eis noch nicht, erst in ein paar Minuten. Weshalb auch immer. Aber die Liebste kommt wenigstens zu ihrem Trdlo, der Hefegebäckspirale, die hier überall an den Ständen gebacken wird. Sehr süß, aber sie mag es so.

    Durch die Weinberge gehen wir wieder hinunter zur Moldau. In einem kleinen Park schreien Pfaue und schlagen Rad.

    Unten bringt uns Dana zu einem kleinen Boot, das uns hinüber ans andere Ufer zum größeren kleinen Boot bringen soll. Kaum sind wir losgefahren, fuchtelt am Ufer aufgeregt ein Mann in Matrosenuniform, wir sollten zurückkommen. Unser Kapitän fährt noch einmal zum Ufer zurück. Ein aufgeregter Disput zwischen Dana und dem Schwarzen, der uns zurückgerufen hat. Unser Kapitän bleibt gelassen und lächelt nur manchmal.

    Wir verstehen nichts, aber später erklärt Dana, der Schwarze habe zunächst behauptet, wir hätten keine Karten. Die hatten wir auch nicht, weil sie nur ein Voucher hatte, was an der anderen Seite eingelöst wird. Der Kapitän lächelt, das sei doch klar. Aber, erklärt Dana, es gebe einen Streit zwischen der schwarzen Fraktion und der weißen Fraktion. Die schwarze Fraktion wolle, das bei ihr die Karten gekauft werden, was der weißen Fraktion aber egal sei. Schließlich sagt der von der schwarzen Frakion, er habe ja nur die Karten sehen wollen und wir können weiterfahren.

    Der junge Mann auf dem großen kleinen Boot erklär in einem traumhaft radebrechenden Deutsch, das wirklich wie das vom braven Soldaten Schweijk klingt, was man so rechts und links der Moldau liegt.

    "Kennen Sie Deggendorf?" fragt er, "da habe ich ein Jahr studiert". Der eine Turm der Kathedrale der Prager Turm sei höher als der andere. Das sei symbolisch für Adam und Eva, wie die Türme heißen. Der Mann sei größer als die Frau. Aber heute sei das umgekehrt.

    Karlsbrücke

    Ein kluger junger Mann. Zufrieden kehren wir in unser Hotel zurück, legen uns um halb sechs für einen Mittagsschlaf ins Bett. Und jetzt sitze ich in der Lobby bei einem Glas Wein, schreibe Ihnen vom Tag und muss dringendstens zur Liebsten zurück.

    Ahoi bis morgen. Ohne Spaß, so grüßt man sich in Prag. Ehrenwort. Nicht nur die Matrosen.

  • Prag-Impressionen II

    Dienstag, Tag 2

    Morgens um kurz nach 8 ist der Speisesaal voll. "Voll mit alten Weibsen", Witwen von der schwäbischen Alb, wenn Sie wissen, was ich meine.

    Gestern Abend saßen schon welche neben uns in der Lobby und schwäbelten missgünstig ihre Meinung über Prag im Allgemeinen und ihre Reisegesellschaft im Besonderen einander zu. Die eine war wohl zum ersten Mal unterwegs. Die andere schon öfters mal mit einer Reisegesellschaft unterwegs. Beide rätselten, ob man hier was zu Trinken bestellen könnte, während wir unser Weinchen süffelten.

    Morgens also voller Speisesaal, anstehen für Kaffee aus dem Automaten. Trotzdem guter, wie sich herausstellt. Und auch ein schönes Buffet. Also, der Tag kann schön werden, wenn nicht...

    Tja, ein Blick durch die Gardinen belehrt uns: es hat sich eingeregnet. Draußen aufgespannte Schirme. Zum Glück habe ich einen Taschenkniprs eingepackt.

    Uns schreckt das nicht. Ich grüße auf Twitter und Facebook noch Gott, die Welt und meine Freunde und dann ziehen wir los. Für den ersten Tag haben wir uns viel vorgenommen: die Altstadt, ein Gang über die Karlsbrücke, die Josefsstadt", und zwei drei Museen müssten vielleicht auch noch drin sein. Aber wir sehen das locker. Was kütt, das kütt, wie wir Frankfurter sagen.

    Gleich am Eingang der Altstadt von unserer Seite aus die "Teynkirche", die Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn", sie wollen wir zuerst besichtigen. Aber wie kommt man rein? Sie steht hinter einer Häuserreihe, in die seitlichen Eingänge kommt man nicht rein. Schließlich entdecken wir, dass man durch eine Toreinfahrt hindurchgehen und so zur Kirche gelangen kann.

    "Geöffnet ab 10 Uhr" - ein routinierter Stadtbesichtiger oder welche, die das nicht so gelassen angehen wie meine Liebste und ich, hätten das sicher vorher abgecheckt. Noch eine knappe Stunde, kommen wir also auf dem Rückweg noch einmal vorbei.

    Auf dem Altstädter Marktplatz ist Ostermarkt, wie an vielen Stellen der Stadt. Als wir vor einem Jahr in Wien waren, gabs die Märkte auch überall. Hier auf dem Platz hat das den Vorteil, das eigens eine große Brücke aus Holz gebaut wurde, von der aus man schöne Fotos machen kann - könnte, wenn es nicht so regnerisch wäre. So wird alles ein wenig trübe.

    Die Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus bewegt sich nur alle volle Stunde und die ist natürlich gerade vorbei, deshalb können wir nicht die 12 Apostel sehen, die zur vollen Stunde dann ihre Kreise ziehen.

    Dafür können wir die Kettenkonstruktion mit den 12 Aposteln dann aus der Nähe betrachten, als wir das Rathaus besichtigen. Immerhin sind es ja gute Bekannte, die da aus Eisen gegossen in Ketten liegend darauf warten, alle Stunde einmal dem Volk vorgeführt zu werden.

    Vom Rathaus aus gehen wir weiter nach Süden zur Bethlehemkapelle. "Für Protestanten ein Muss", hat mir Ulrich Commercon getwittert. Seit einiger Zeit bín ich mit ihm bei Twitter und Facebook gefreundet, zunächst ohne zu wissen, dass er ein durchaus angesehener SPDler ist, stellvertretender Vorsitzender im Saarland. ?Nichts ist erbärmlicher als ein Mann, dessen Zeit vorbei ist?, hat er 2005 auf seine Wahlplakate geschrieben in Anspielung auf Oskar Lafontaine. Hoffentlich weiß ich einmal, wann meine Zeit vorbei ist.

    Also Bethlehemkapelle. Leider nicht mehr das Original, aber ein sehr schöner Nachbau der Predigtkirche, die zeitweise auch Sitz der angesehenen Prager Universität war. Hier predigte und wirkte Jan Huss, bis er 1415 beim Konzil in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Luther entdeckte in ihm später einen Vordenker der Reformation.

    Noch einmal bei Regen über die Karlsbrücke zu laufen, haben wir keine Lust. Sicher wird uns Petrus auch noch einmal gnädig gesinnt sein. Also gehen wir weiter an der Moldau entlang Richtung jüdischem Viertel. Die Pinkas-Synagoge und der jüdische Friedhof liegen als erste auf dem Weg.

    Am Eingang dann die nächste Enttäuschung: "Geschlossen wegen jüdischer Ferien". Und zwar nicht nur hier, sondern alle Synagogen und das Museum. Natürlich, heute ist der letzte Pessachtag. Aber denke mal so weit.

    Im Kaffee des Museums für Kunstgewerbe machen wir eine Kaffeepause und die Liebste ersteht eine wunderschöne Brosche und glücklich ziehen wir weiter.

    Inzwischen ist es Mittag. Wir beschließen, einmal dem Reiseführer zu vertrauen, der uns von dem zentral am Altstadtring gelegenen Starometska gute böhmische Küche bei durchaus akzeptablen Preisen verspricht. Und so ist es auch. Nette Kellner laufen mir überdimensionierten Tabletts auf den Schultern herum, servieren und Zicklein mit Kloß und Ente mit Kloß und natürlich Pilsner. Köstlich und nicht teuer.

    Jetzt wollen wir die Besichtigung der Teynkirche nachholen, die um 9 noch nicht geöffnet war. Wieder durch die Toreinfahrt. Wieder ein Schild "Von 13 - 15 Uhr geschlossen". Ein Blick auf die Uhr: Kurz nach Eins, auch die Apostel haben schon wieder ihre Schleife gedreht.

    Was solls? Wir machen Mittagsschlaf im Hotel und dann gehts in Richtung Jugendstil. Zuerst führe ich die Liebste zum "Gemeindehaus". So etwas haben wir in meiner Gemeinde auch, aber ich muss gestehen: nicht vergleichbar.

    Das Prager Gemeindehaus ist ein riesiger imposanter Jugendstilbau mit einem großen Theater, zwei herrlichen Restaurants, in die wir nur einen Blick werfen können und einer "American Bar", in der wir genüsslich zwei Mojitos trinken. So lässt sichs leben. Anfang des letzten Jahrhunderts hat hier die "Neue Welt" ersten Einlass in Prag gefunden und sogar Damen ohne Begleitung haben hier ihren Drink genommen.

    Gemeindehaus Prag

    Das Mucha-Museum ist nur ein paar Hundert Meter weiter. Aber Sie ahnen schon: als wir dort ankommen, ist es halb sechs und der freundliche junge Mann an der Kasse rät uns ab, noch die Karten zu kaufen.

    Also noch ein Shopping-Bummel heimwärts. Bei DM erstehe ich eine Dose Nivea, die ich dringend benötige, die Liebste hätte beinahe ein Brautkleid gekauft und unterwegs erstehen wir noch eine Flasche Wein, die wir heimlich mit aufs Zimmer nehmen. Bei Wein und Chips sitzen wir noch lesend zusammen.

  • Prag-Impressionen I

    Tag 1, Ostermontag

    Nach strahlenden Sonnenscheintagen in Frankfurt kommen wir bei Regen in Prag an. Das Taxi, das uns vom Flughafen abholt, haben wir per Internet von Frankfurt aus bestellt. Irgendwie unglaublich, oder?

    Der Chaufeur, der am Ausgang der Gepäckausgabe mit einem Schild auf uns wartet, begrüßt uns mit Handschlag: "I am Peter". Er erinnert mich an einen Engländer: korrekt gekleidet, sehr höflich und freundlich. Er bedankt sich, als ich ihm sage, dass mir viele Menschen erzählt haben, wie "beautiful" Prag ist. Ob wir zum ersten Mal in Prag sind?

    Als ich ihm erzähle, dass ich 1976 schon einmal nach Prag wollte, aber man mich damals nicht reingelassen hat, kann er das einordnen. "Oh, so you are from the West Side. That was difficult".

    Er beglückwünscht uns zur Wahl unseres Hotels, das ganz in der Nähe der Altstadt liegt. Wir kommen kurz vor 12 an, die Zimmer sind aber erst um 14 Uhr fertig.

    Also ein erster kleiner Spaziergang, in knapp 5 Minuten sind wir in der Altstadt. Wir gehen bis zur Karlsbrücke, aber nach ein paar Schritten auf der Brücke fängt es an, heftiger zu regnen und wir kehren um.

    Karlsbrücke in Prag

    Auf dem Rückweg kommen wir an einer kleinen Pizzeria vorbei, sehr unauffällig. Aber weil wir bereits völlig durchnässt sind und Hunger haben, gehen wir rein, obwohl der Reiseführer abschätzig warnte, man solle bei Italienischen Restaurants erst in die Küche gucken, ob der Koch wirklich Italiener sei.

    Aber die Pizze, die wir hier bekommen, sind vom Feinsten. Wir werden zudem nett bedient und zahlen für zwei Pizze, einen Salat mit Mozarella und zwei große Pils umgerechnet etwa 16 ?. Also alles andere als Nepp, vor dem wir auch oft gewarnt wurden.

    Nach unserem obligatorischen Mittagsschlaf gehen wir wieder los, diesmal in Richtung Wenzelsplatz, auch das nur etwa 15 Minuten Fußweg entfernt - aber immer noch bei strömendem Regen. Wenn das Wetter so bleibt, sind wir darüber not amused. Aber trotz bester Beziehungen können wir es nicht ändern.

    Ein paar Bilder vom Wenzelsplatz, vom Nationalmuseum, dem Wenzelsdenkmal und auch von der Gedenktafel für Jan Pallach, der sich hier 1969 verbrannte.

    Wenzelsplatz in Prag

    Auf dem Heimweg kehren wir in einer nett aussehenden "pivnice", einer Bierstube, ein, um zum Pils einen Braten zu essen. Fürchterlich. Als uns dann der Kellner auch noch die Rechnung durchstreicht und einen 10% höheren Betrag draufschreibt, werde ich sauer. Ich hätte zwar wahrscheinlich den gleichen Betrag als Trinkgeld wohl gezahlt - aber so nicht.

    Zurück im Hotel sind wir um 20 Uhr - rechtzeitig um noch den Tatort sehen zu können, aber es gibt kein ARD. Vielleicht glücklicherweise.

    Also setzen wir uns in die Lobby, trinken noch ein Gläschen Wein und denken zurück an einen zwar verregneten, aber schönen Tag in einer wunderschönen Stadt.

  • Auferstanden

    Grunewald

    Der Herr ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!

    Allmächtiger Gott, gib,
    dass uns nur das nicht widerfährt,
    dass Jesus Christus,
    nachdem er von den Toten auferstanden ist,
    wiederum in uns stirbt.

    Origenes

    Ein gesegnetes Osterfest!

  • Der Tag, an dem Adenauer starb

    Adenauer war 91, als er starb. Seine letzten Worte richtete er an seine Tochter: "Da jitt et nix zo kriesche!" - Da gibts nix zu flenne, würde ich das übersetzen.

    Er war 91, als er starb. Bevor er mit 73 zum Bundeskanzler gewählt wurde, fragte er seinen Hausarzt, ob er die Aufgabe in seinem Alter noch erfüllen könne. "So zwei, drei Jahre könne er das wohl noch", sei die Antwort gewesen, erzählte er später und fügte hinzu "Da sehen Sie, dass der Gnade unseres Herrgotts keine Grenzen gesetzt sind".

    Mit seinen 91 Jahren war er immerhin noch Mitglied des Bundestages, wo er keinen Hehl daraus machte, wie wenig er von seinem Nachfolger Ludwig Erhard hielt.

    Wegen seiner großen Verdienste erhielt Konrad Adenauer vom Papst das Recht verliehen, zu Pferde in Kirchen einreiten zu dürfen. Dieses Recht steht den "Rittern vom Goldenen Sporn" zu. Es wird allerdings von uns Evangelischen nicht anerkannt.

    Daneben ist sicher aus Adenauers Leben erwähnenswert, dass er neben einer Sojawurst eine von innen beleuchte Stopfkugel, einen Kopfschrim zum Schutz vor Blendung durch entgegenkommende Fahrzeuge, eine Tülle mit beweglicher Klappe für Gießkannen, ein Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes und viele andere nützliche Dinge erfand, die seitdem unser Leben bereichern.

    Am Tag, als Adenauer starb, war ich 16 Jahre alt und eingeteilt zum Seenotwachdienst. Es wehte ein furchtbarer Wind, aber es war Vorschrift, dass man sich nicht - egal wie das Wetter war - in die Wachkabine zurückziehen durfte.

    Ich stand in eisiger Kälte auf der Aussichtsplattform mit Gummistiefel, Ölzeug und Südwester und musste ununterbrochen die Hohwachter Bucht beobachten, ob irgendwo ein Schiff untergeht.

    In der Wachtstation gab es ein Telefon, das praktisch nie läutete. Aber an diesem Morgen läutete es. Das hieß, dass der Wachleiter vom Dienst anrief. "Ja, hier Seenotwache", meldete ich mich vorschrieftsmäßig.

    "Junge, Adenauer ist gestorben. Du musst sie Flagge auf Halbmast setzen".

    Ich war also derjenige, der die weithin sichtbare Deutschlandfahne auf Halbmast setzte. Ein Bauer, der vorbeigradelt kam, stieg ab und meinte: "Ach, Adenauer ist gestorben".

    Später traten dann alle Wachen an, um gemeinsam das Deutschland zu singen und zu diesem Zweck wurde die Fahne zunächst noch einmal hoch und dann wieder auf Halbmast gezogen. Wieder von mir, was eine große Ehre war.

    So erlebte ich den Tag, als Adenauer starb. Das war heute vor 44 Jahren.

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    Wenn Sie sich jetzt wundern, warum ich mit meinen knapp 16 Jahren schon bei der Bundeswehr war, liegen Sie völlig falsch. Ich war für vier Wochen an der Kurzschule Weißenhaus. Im Spiegelarchiv fand ich heute einen schönen Artikel dazu.

  • ... das ist schon einen Tatort wert

    "Wenn einem also Gutes widerfährt...

    das ist schon einen Asbach Uralt wert". Wahrscheinlich gibt es diesen genialen Werbespruch für ein Produkt, das ich wohl noch nie genossen habe, nicht mehr.

    Ich für meinen Teil genieße, wie Sie wissen, jeden Sonntagabend mit meiner Liebsten zusammen bei einem Gläschen Wein den Tatort, freue mich des Lebens und seiner diversen Schlechtigkeiten, die es den Menschen bringen kann.

    Vielleicht ist "Freuen" ein falsches Wort, denn einerseits kann ich mich am Wein, an unserem trauten Zusammensein auf der Couch und nicht zuletzt am (mehr oder weniger) spannenden Tatort durchaus erfreuen.

    Andererseits verspricht der heutige Tatort wieder - wie schon die beiden letzten - neben einem Mordfall und wohl auch wieder seiner Aufklärung eine Thematik, die einen ganz und gar nicht erfreuen kann.

    Heute Abend wird es um Hartz IV gehen,

    um Armut in München. In München soll die Armut versteckter sein als anderswo, schreibt das ERSTE in seiner Ankündigung. Warum das so sein soll, bleibt mir zwar unerschlossen. Aber vielleicht zeigt der Tatort davon was.

    Zeigen wird er eine alkoholkranke Mutter und ihre 13-jährige Tochter, die sich um alles kümmern muss. Dass es das gibt, kann ich bestätigen. Dass das typisch für Hartz-IV sei, kann ich nicht bestätigen.

    Jedenfalls ist es ein Verdienst von TATORT, viele Krimis mit einer Thematik zu verbinden und deren dunkle Seiten auszuleuchten und so - wenn auch nur für einen Abend - einmal öffentlich zu machen.

    Vor drei Wochen war das Thema "Homosexualität beim Fußball". Nicht, dass es schwule Fußbälle gäbe, aber Fußballer schon. Die Fußballszene reagierte gereizt auf den Film. Nun gut, darüber habe ich mich schon ausgelassen.

    Vor vierzehn Tagen gab es einen Ausflug in dunkle Ecken der Sexualität.

    Eine Joggerin erschlägt einen Mann, der versuchte, sie zu vergewaltigen. Aber dann stellt sich heraus, dass beide Opfer sind.

    Durch eine fingierte Mail war der Mann davon ausgegangen, die Joggerin - eine toughe Richterin - habe sich mit ihm zu sadomasochistischen Sex verabredet. Und just diese Richterin wird wird von ihren Kollegen "Justine" genannt, nach Marquis des Sades "Justine oder vom Missgeschick der Tugend"...

    Auch bei einer Anwältin steht ein sadistischer Besuch vor der Tür. Aber anstatt sogleich an sein Werk zu gehen, fragt der erst mal nach einem "Passwort" und merkt so, dass er wohl kein ersehnter Besuch ist. Als ansonsten anständiger Mensch und angesehener Kommunalpolitiker offenbart er sich der Polizei.

    Täter war schließlich ein Mann, der wegen einer fälschlichen Anschuldigung seiner Ehefrau, wegen Vergewaltigung in der Ehe verurteilt wurde. Seine Frau fürchtete, dass wegen ihrer lesbischen Beziehung nach einer Scheidung ihm das Kind zugesprochen würde.

    Tatsächlich, ein Netz von Lügen, von Opfern, die Täter sind und Täter, die Opfer sind, von Menschen im Internet, die nichts voneinander wissen, sich zu verabreden lauben und dabei verknüpft werden.

    In alldem verfängt sich die Richterin, entblößt sich immer mehr und wird entblößt. Karin Giegerich als Richterin Gnadenlos war die eigentliche Hauptdarstellerin.

    Vielleicht etwas zu sehr gespielt wurde mit der Angst vor Sadomascho. Schließlich entpuppten sich beide Auftritte bei näherem Hinsehen als verabredete Kontakte - zwar etwas bizarr, aber wenn's beide mögen...

    Letzte Woche ging es um das Gesundheitswesen"

    Edel sei der Mensch, hilfreich und gesund" - ein sprachlich etwas misslungener Titel. Vielleicht wäre die alte Weisheit "Lieber reich und gesund als arm und krank" besser gewesen.

    Der getroffene Hund bellt... Wieder gab es prompte Kritik. „Die Hemmschwelle des Betrügens ist nicht derart niedrig", sagte Cornelia Kur, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung KV) in Hessen. Der "Tatort" zeichne das Bild von Ärzten, die zu Medikamentenschwindel und Betrug neigten.

    Nun zeigte der Tatort aber gerade nicht gewissenslose Ärzte, die auf Kosten ihrer Patienten und der Allgemeinheit hemmunglos betrügen.

    Vielmehr zeigte er das Dilemma eines Arztes, der seine Patienten gut behandeln will, auch wenn sein Budget von 65 € pro Quartal (unglaublich!) aufgebraucht ist.

    Dr. Schmuckler will einfach nicht akzeptieren, dass er einem schwer an Mukoviszidose erkrankten Mädchen nicht das richtige Medikament verschreiben kann oder eine alte Frau mit ihrem Medikament bis zum neuen Quartal warten muss. Deshalb zahlt er aus eigener Tasche und rechnet dagegen bei Privatpatienten etwas mehr ab.

    Ein Krimi, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.

    Ich bin gespannt auf heute Abend.

  • Nimmt Gestalt an...

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  • Liebste baut Kräuterspirale

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  • Im Krankenhaus verschwunden

    "Meine Mutter war verschwunden" - noch immer aufgeregt kommt meine Liebste nach Hause. Ihre 87-jährige Mutter war gestern wegen einer Virusinfektion aus dem Seniorenheim ins Stadtkrankenhaus verlegt worden.

    Heute wollte meine Liebste ihre Mutter besuchen. Als sie an der Rezeption des Krankenhauses nach deren Zimmer fragt, erhält sie die Auskunft "Die gibt's hier nicht".

    "Sie muss aber hier sein. Sie ist gestern aus dem Seniorenheim hierher gebracht worden" - "Nein, hier gibt es keine Frau XY".

    Anruf im Seniorenheim. Doch, gestern sei sie ins Krankenhaus gebracht worden und seitdem liege sie dort.

    "Sehen Sie noch einmal nach, sie muss doch hier sein". "Nein, nicht in diesem Krankenhaus".

    Anruf in den anderen Krankenhäusern. Nirgends ist die Mutter zu finden.

    Verdacht der Rezeptionistin: "Vielleicht ist sie ja aus der Ambulanz einfach weggegangen" - "Das würde sie nie tun"

    Die Dame lässt sich überreden und ruft auf allen Stationen an. Nirgends gibt es Frau XY.

    Sie sieht meine Liebste an, als sei sie verrückt: "Ich sage Ihnen doch, Ihre Mutter ist hier nicht".

    "Das kann doch nicht sein - dann müssen wir die Polizei holen"

    Vielleicht auf das Stichwort "Polizei" ein Einlenken: "Warten Sie, ich rufe noch einmal in der Aufnahme an".

    Ja, heißt es dort. Frau XY sei gestern da gewesen. Man habe sie auf Station IV verlegt. Anruf dort. Nein, hier gibt es keine Frau XY. Man sieht im angegeben Zimmer nach.

    Tatsächlich, dort liegt sie.

    Es wurde vergessen, sie im Computer einzutragen. Aber nicht nur das. Als meine Liebste das Zimmer betritt, blickt ihr ihre Mutter verzweifelt - und jetzt erleichtert - entgegen:

    "Die haben mich hier vergessen.". Seitdem sie gestern in das Zimmer verlegt wurde, sei niemand mehr bei ihr gewesen.

  • Ich glaub', ich hab was an den Augen

    Mit meinen Brillen ist das so eine Sache.

    Ich habe mehrere - aber nur deshalb, weil ich als Lesebrillen gerade nur noch die für 3 Euro etwas verwende. Ja, ich weiß, sollte man nicht.

    Aber bereits zweimal habe ich mir sündhaft teure Lesebrillen anfertigen lassen. Mit zwei Zonen, eine fürs Lesen und eine für den Bildschirm. Damit ich Ihnen hier immer schöne Blogs schreiben kann. Ja, ich weiß, sollte ich öfters.

    Und zweimal habe ich das gute Stück für ein paar Hundert Euros irgendwo liegen lassen. Seitdem spare ich für eine neue Brille und nehme solange die Billigen.

    Glücklicherweise brauche ich bis heute, also bis in mein hohes Alter - immerhin bin ich neulich 60 geworden - nur eine Lesebrille. Ich bin echt stolz auf meine Augen, die weitsichtig sind wie ihr Träger auch.

    Dachte ich bis Mittwoch. Mittwoch traf mich der Schock meines Lebens.

    Mittwoch war strahlender Sonnenschein.

    Ich also mich ins Auto gesetzt, um in ein schönes Gartenlokal zu fahren. Scheibe runter, Sonnenbrille auf.

    Und dann: ich sah das Auto vor mir nur noch verschwommen. Kann nicht sein!

    Alles in mir wehrte sich.

    Sonnenbrille ab. Doch - viel klarer und deutlicher.

    Ich ziehe beim Fahren mein Taschentuch aus der Tasche und poliere meine Sonnenbrille. Daran muss es schließlich liegen. Setze sie wieder auf. Wieder alles verschwommen.

    Nein, so kann ich nicht Auto fahren.

    Aber was mir wirklich Sorge macht: etwas muss mit meinen Augen nicht stimmen. Vielleicht ist, ohne dass ich es bemerkte, zur Weitsicht auch eine Kurzsicht hinzugekommen. So etwas gibt es ja.

    Andererseits: ohne Brille, so bin ich überzeugt, sehe ich nach wie vor scharf wie ein Adler.

    Nachdenklich wechselt mein Blick zwischen dem Verkehr und der Brille auf dem Beifahrersitz. Irgendwie kommen mir die Gläser ungewöhnlich dick vor. Hat sie etwa jemand in meinem Auto liegen lassen?

    Nein, auch das scheidet aus.

    Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen.

    Im letzten Jahr gabs dieses Sonderangebot beim Discounter: Sonnenlesebrille. Ich wusste schon beim Kauf, dass das rausgeschmissenes Geld ist. Wozu sollte ich beim Lesen eine Sonnenbrille tragen? Aber sie war im Angebot und wirklich billig. Und sah auch gar nicht mal so schlecht aus.

    Jetzt muss ich mich auf die Suche nach meiner richtigen Sonnebrille machen. Und diese Sonnenlesebrille entsorgen. Obwohl - dann hätte ich das Geld ja rausgeworfen. Und eine Sonnenbrille einfach in den Müll werfen?

    Also, falls jemand von Ihnen eine Sonnenlesebrille brauchen kann: ich bin bereit, sie zu verschenken.

    An den Augen hab' ich jedenfalls nichts. Noch nicht.

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