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Archiv der Einträge: Juni, 2010
  • Das bisschen Heimat, was ich kenne...

    100628_1822_salomon_ghebrehi_1_teaserIst das nicht toll:

    Das bisschen Heimat, was ich kenne,
    ist in die Herzen meiner Freunde verstreut

    zitiert Salomon Ghebrehiwet, Referendar in einer Frankfurter Schule in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau Rainer Maria Rilke.

    Solche Lehrer brauchen wir viel mehr!

  • Spargel satt zu Johannis am Letzten

    Am Samstag wars mal wieder soweit. Erst eine Johannisandacht in der Kirche und dann das große Spargelessen in meinem Garten, dem "Pfarrgarten". Da gibts dann jedes Jahr Spargel satt und dazu natürlich einen guten Wein.

    Bis kurz vor 12 saßen wir im Garten, tranken, schwatzten und lachten. Vor allem unsere Alten genießen das. So soll man die Höhe des Sommers feiern.

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  • Kalenderblatt: Ist Melitta fürn Kaffee

    Unsere Nachbarin war Frau Roth. Frau Roth gewann Anfang der 60er Jahre in einem Preisausschreiben 500 Mark. Dafür muss eine arme Frau viel Putzen gehen.

    Sie hatte einen Werbespruch - Slogans gabs damals noch nicht - eingereicht:

    Was für Berlin ist
    die Spree
    ist Melitta
    fürn Kaffee

    Heute, am 29. Juni, vor 60 Jahren starb Melitta Bentz. Weil sie der Kaffeesatz störte, hatte sie mit Löschblättern aus dem Schulheft und einem durchbohrten Topf ausprobiert, wie man den aus dem Kaffee rausholen könnte.

    Sie erfand das Filterpapier, das im Juni 1873 patentiert wurde und gründete ihr Unternehmen mit einem Eigenkapital von 73 Pf. Die Tüten produzierte sie bis 1915 in ihrer Vierzimmerwohnung.

    Als passionierter Füllfederhalterschreiber war ich neulich mal wieder auf der Suche nach Löschpapierheften oder Löschpapier für meine Löschwiege. Gibts noch, aber nicht einfach zu finden.

  • Immer die kritischen Blicke

    Vor Gott bestehen? Das ist wohl für wenige Menschen heute noch ein Problem. Eher ist das Problem, ob Gott vor uns bestehen kann. Ob Gott unseren kritischen Blick aushält.

    Lieber schlagen sich die Menschen mit dem Problem herum, ob sie den Ansprüchen anderer Menschen genügen, ob sie deren kritischen Blick aushalten.

    Oder sie schlagen sich lieber mit dem Problem herum, dass sie ihrem eigenen kritischen Blick nicht genügen.

    Ich glaube: Menschen, die vor Gott bestehen wollen, haben es dagegen vegleichsweise Gold.

    Und sie haben gute Karten:

    Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst -
    HERR, wer wird bestehen?

    Psalm 130,3
    Tageslosung für den 29. Juni

    Das schafft gesundes Selbstvertrauen.

  • Krimiecke: Todesspiele

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    Karen Rose schreibt harte Krimis. Diesmal geht es um Kinderhandel und Kinderpornografie übelster Art und wieder um die Familie Vartanian. Vor allem Band II der Trilogie ("Todesbräute") muss man noch parat haben - sonst wirds am Anfang sehr verwirrend. So ging es mir auch beim Lesen. Spannend für Hartgesottene.

  • Kalenderblatt: Isch bin ein Bärliner

    Von Kennedy werde ich drei Erinnerungen immer bewahren.

    Alle stammen sie aus dem Jahr 1963. Ich war damals 12 Jahre alt. John F. Kennedy, seiner schönen Frau Jaquie und seinen Kindern flogen die Herzen zu.

    Die erste Erinnerung ist ein Bild.

    John-John, wie er genannt wurde, spielt unter dem Schreibtisch seines Vaters.

    John-John

    Ich weiß noch, dass mich das als Kind sehr berührt hat. Dass ein Präsident spielende Kinder haben kann. Dass John-John anscheinend ein eigenes Türchen im Schreibtisch des Präsidenten hatte. Überhaupt, dass das eine so glückliche Familie war.

    Die zweite Erinnerung: unsere Familie sitzt vor dem Fernseher.

    Der muss irgendwann in diesem Jahr angeschafft werden sein. Extra einer in einer Vitrine mit Schlüssel. Mein Vater meinte, er wolle den Fernseher abschließen können, damit wir nicht immer davor sitzen. Wobei "immer" sowieso nur hieß ab 17 Uhr. Vorher gabs nur das Testbild.

    Aber an dem Tag sahen wir John F. Kennedy vor dem Brandenburger Tor. Und er hielt seine berühmte Rede, die in dem Ausruf gipfelte:

    Ich bin ein Berliner

    Die Berliner jubelten. Und mit ihnen ganz Deutschland. Zwei Jahre zuvor war die Mauer gebaut worden und noch glaubten die Menschen, dass sie vielleicht irgendwann einmal wieder abgerissen würde. Ein paar Jahre später glaubte das niemande mehr. Bis 1989.

    In Amerika wurde dann erfunden, die Berliner hätten ihn ausgelacht, weil es eigentlich heißen müsste: "Ich bin Berliner" und "Berliner" Pfannkuchen seien.

    In Wirklichkeit lachte kein Berliner über diesen Satz. Nur Jubel. Und dann einen Moment später Lachen, als Kennedy meinte: "Ich hoffe, der Dolmetscher hat das richtig übersetzt". Kennedy hatte es mit seiner Rede und diesem einen Satz geschafft, die Berliner ganz auf seine Seite zu ziehen.

    Nebenbei: Der Satz ist grammatikalisch völlig korrekt. Der Ausdruck "Ich bin Darmstädter" bezieht sich auf die Herkunft: "ich komme aus Darmstadt" oder "ich bin in Darmstadt geboren". Der Satz "Ich bin ein Darmstädter" bedeutet "Ich gehöre zu den Menschen in Darmstadt". In der Grammatik heißt das: der unbestimmte Artikel "ein" wird u.a. verwendet bei Hauptwörtern, die als Vertreter einer Klasse auftreten. Zum Beispiel: Das ist ein Offenbacher.

    Im Übrigen waren Pfannkuchen in Berlin Pfannkuchen. Auch wir Darmstädter kannten keine "Berliner", das waren Krebbel. Erst später vermischten sich die regionalen Bezeichnungen.

    Die dritte Erinnerung

    Meine kleine Schwester, damals gerade mal 7, kommt weinend ins Zimmer gelaufen: "Kennedy ist tot". Das war am 22. November.

    Keine 5 Monate vorher, nämlich heute, am 26. Juni, vor 47 Jahren hielt John F. Kennedy seine Rede in Berlin.

    Manuskript mit Ausspracheerinnerung

  • Krimiecke: Der Feind im Schatten

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    Manchmal muss ein Held im Roman sterben. Kommissar Wallander stirbt nicht, aber er wird alt. Als 59jähriger erschrecke ich etwas darüber, wie alt Mankell den 60jährigen Wallander erscheinen lässt.

    Mankell gelingt das Kunststück, dass sich Leser, die Wallander über viele Romane hinweg kennen gelernt haben, mitsamt seiner Familie, seiner Geliebten, seinen Marotten, nun in Würde von ihm verabschieden können - fast wie bei einem wirklichen Menschen.

    Und nebenbei ein spannender Krimi, der ganz ohne die Grausamkeiten auskommt, die so oft am Anfang Wallanders Ermittlungen standen.

  • Die Höhe der Zeit

    Johannes der Täufer (Meister Matthis)

    Der Johannistag am 24. Juni erinnert an die Geburt Johannes Täufers. Mit seinen Anhängern lebte Johannes in der judäischen Wüste und rief dort die Menschen zur Umkehr und zu einem bewussten Leben auf. Auch Jesus ließ sich von ihm taufen.

    Die Bibel berichtet, dass Elisabeth, die Cousine Marias, im 6. Monat schwanger war, als Maria die Geburt Jesu verkündet wurde. Deshalb wird der Johannistag genau 6 Monate vor Weihnachten gefeiert. Beide Feste lösten die heidnischen Sommerwendfeste ab.

    Mit der Geburt Jesu nehmen die Tage zu - mit dem Johannistag nehmen sie ab. Die Christenheit bezieht das auf die Aussage Johannes des Täufers:
    "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen",
    mit der er auf Jesus hinwies.

    So stellt Meister Mattis (Matthias Grünewald) auch Johannes auf dem Isenheimer Altar da. Mit übergroßem Zeigefinger zeigt er auf den gekreuzigten Jesus: "Sieh auf den da!"

    Der Johannistag ist auch der letzte Tag der Spargelernte. Überall geben die Spargelbauern nach diesem Tag den Pflanzen die Zeit, die sie zur Erneuerung für das nächste Jahr brauchen. Auch das hat man auf das Johanneswort bezogen.

    Spargel

    In unserer an das südhessische Spargelanbaugebiet angrenzenden Gegend begehen wir den Johannistag in unserer Gemeinde mit einer Johannistag und einem anschließenden fröhlichen Spargelessen, mit dem wir die geschenkten Stunden der "Höhe der Zeit" feiern.

    Vielerorts gehören zum Brauchtum Johannisfeuer

  • Kalenderblatt: Schenkt sie ihm kein Söhnchen...

    "Marina, Marina, Marina.." hatten wir zuhause auf einer 45er Schallplatte. Rocco Granada hat es auf italienisch gesungen, die ersten Deutschen machten Urlaub in Italien und die ersten italienischen Gastarbeiter waren nach Deutschland gekommen.

    Es gab auch eine deutsche Version:

    Bei Tag und Nacht denk ich an dich, Marina
    du kleine, zauberhafte Ballerina,
    o wärst du mein, du süße Caramia,
    aber du, du gehst ganz kalt an mir vorbei.

    Doch eines Tages traf ich sie im Mondschein
    ich lud sie ein zu einem Glase Rotwein,
    und wie ich fragte, Liebling, willst du mein sein?
    Gab sie mir einen Kuß und das hieß : Ja!

    Marina, Marina, Marina,
    dein Chic und dein Charme, der gefällt.
    Marina, Marina, Marina, du bist ja die Schönste der Welt.

    Wunderbares Mädchen, bald sind wir ein Pärchen,
    komm und laß mich nie alleine -

    oh nononono no.

    Wunderbares Mädchen, bald sind wir ein Pärchen,komm und laß mich nie alleine, oh nononono no.

    Das war 1957. Der Volksmund sang auf das Liedchen:

    "Die Farah, die Farah, die Diba
    die ist ja die schönste der Welt.
    Schenkt sie ihm kein Söhnchen,
    wirft er sie vom Thrönchen.
    Genauso wie Sorayah.
    Oh no no no no no"

    Das war 1958. Denn da ließ sich der Schah von Persien von Sorayah scheiden, weil sie ihm keinen Sohn gebar. Sorayah war die "Deutsche auf dem Pfauenthron", deshalb nahmen die Deutschen lebhaft Anteil an ihrem Schicksal.

    Hochzeit auf dem Pfauenthron 1951

    Sorayah wurde heute, am 22. Juni, vor 78 Jahren geboren. Sie starb 2001.

  • Kalenderblatt: Bonjour tristesse

    Ist das nicht ein wunderschöner Titel: "Bonjour tristesse"? So schön, wie es im Französischen klingt, kann man es gar nicht übersetzen. Höchstens übertragen: "Guten Morgen, du Traurigkeit" vielleicht. Jedenfalls etwas ganz anderes als "Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da?

    Cécile ist 17. Jeden Morgen begrüßt Cécile ihre Traurigkeit. Sie ist zurückgeblieben seit den Erlebnissen, die sie mit ihrem Vater, dessen zwei Geliebten und ihrem eigenen Freund Cyril hatte und die mit Annes Tod endeten.

    Die 18jährige Françoise Sagan schrieb innerhalb weniger Wochen 1954 diesen Roman, der ein Skandal wurde, weil er als Ausbund von Sittenverfall angesehen wurdeIch fand ihn in der geheimen Schublade meines Vaters. Für uns heute eine harmlose Erzählung.

    Françoise Sagan wurde heute, am 21. Juni, vor 75 Jahren geboren. Sie starb 2004.

  • Kalenderblatt: Tanze mit mir in den Morgen

    "Das machen nur die Beine von Dolores" sang ein Mann in meiner Kindheit unentwegt aus dem Radioapparat. Das war Gerhard Wendland. Was der mit den Beinen von Dolores wollte, wusste ich nicht. Genausowenig wie ich wusste, was der liebe Hans mit seinem Knie beim Tanz machte. Aber irgendwie war das alles ein bisschen anrüchig.

    Wenn Sie mit Gerhard Wendland in den Morgen tanzen wollen, bitte sehr:

    Gerhard Wendland ist heute, am 21. Juni, vor 14 Jahren gestorben.

    Fritz Löhner-Beda, der "Was machst du mit dem Knie, lieber Hans" komponiert hatte, wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

    Tanze mit mir in den Morgen
    Tanze mit mir in das Glück
    In deinen Armen zu träumen
    Ist so schön bei verliebter Musik

    Darf ich bitten zum Tango um Mitternacht
    Fragte ich Susan, sie sah mich nur an
    Und ich wusste, dass sie mich so glücklich macht
    Wie's nur eine im Leben kann

    Tanze mit mir in den Morgen
    Tanze mit mir in das Glück
    In deinen Armen zu träumen
    Ist so schön bei verliebter Musik

    Darf ich bitten zum Tango um Mitternacht
    Sprach ein Kavalier nachts darauf zu ihr
    Er war schneller und hat sie nach Haus gebracht
    Doch ich träumte nur noch von ihr

    Darf ich bitten zum Tango um Mitternacht
    Ruf ich bei Susan schon am Morgen an
    Hat sie mich auch deswegen oft ausgelacht
    Wenn es zwölf ist, lacht sie mich an

    Tanze mit mir in den Morgen
    Tanze mit mir in das Glück
    In deinen Armen zu träumen
    Ist so schön bei verliebter Musik

  • Kalenderblatt: Bei mir hat er es noch nit versucht. Ein schwuler Außenminister

    Heinrich von Brentano müssen sie nicht kennen. Wahrscheinlich hätte ich seinen Namen auch vergessen, wenn nicht meine Mutter auf seine Beerdigung gegangen wäre. Die war 1964 auf dem Darmstädter Waldfriedhof. Und das wieder hätte ich vergessen, wenn ich nicht an dem Tag die einzige zwei in Englisch in meinem Leben geschrieben hätte. Ein dreiwöchiger Englandaufenthalt hatte sich ausgezahlt.

    Heinrich von Brentano, mit vollem Namen Heinrich von Brentano di Tremezzo war der Stolz Darmstadts. Seinem Geburtsort Offenbach hatte er verständlicherweise den Rücken gekehrt und sich in Darmstadt niedergelassen.

    Brentano war der zweite deutsche Außenminister nach Gründung der Bundesrepublik. Der erste war Konrad Adenauer selbst, der bis 1955 Bundeskanzler und Außenminister in einer Person war.

    Adenauer konnte auch nur schwer einen Außenminister neben sich dulden, zumal einen, der durchaus eigene Positionen vertrat. So trat Brentano schon Anfang der 60er Jahre für eine Einbeziehung von Polen und der Tschechoslowakei in den Europagedanken ein. An der Bildung des Europarates war er maßgeblich beteiligt.

    Brentano hatte die Verfassung Hessens und der Bundesrepublik mit erarbeitet und dabei gerne mit den Vertretern der SPD zusammengehört. Er gehörte dem sozialen Flügel der CDU an.

    1961 trat Brentano zurück, weil der neue Koalitionspartner der CDU, die FDP, einen FDP-Mann als Staatssekretär neben Brentano haben wollte.

    Brentano lebte als alleinstehender Mann bei seiner Mutter. Es war bekannt, dass er "homoerotisch" orientiert war. Als Adenauer daraufhin von einem Journalisten befragt wurde, antwortete er lapidar "Bei mir hat er es noch nit versucht!".

  • Was arme Leute essen

    Alle zwei bis drei Monate gibt's bei mir im Wohnzimmer "Literatur im Pfarrhaus". Dann lese ich aus einem der Bücher vor, die mir besonders gefallen haben und dazu gibt es einen kleinen "Gruß aus der Küche" und ein Glas Wein, aus dem schon auch mal zwei oder drei werden können.

    Der "Gruß aus der Küche" soll natürlich möglichst zu dem Buch passen und ein bisschen raffiniert soll es auch sein, aber trotzdem nicht allzuviel Arbeit machen.

    Klar, dass es zu "Die Bücherdiebin" nur etwas Einfaches geben konnte. Schließlich geht es um ein Leben im Nazideutschland während des Krieges.

    Erst dachte ich an "Arme Ritter", aber meine Liebste wies mich mit Recht darauf hin, dass die zum einen viel Arbeit machen würden und zum anderen wegen des heißen Öls es aus der Küche ziemlich stinken würde.

    "Arme Ritter" war bei uns zuhause wirklich ein Arme-Leute-Essen. Altbackenes Brot wurde in Milch mit Zucker eingetaucht und dann im Öl ausgebacken. Köstlich. Bei meiner Oma hießen die armen Ritter "Kardeiserkleesjer" (Kartäuserklöße)und schmeckten genauso köstlich.

    Neulich wurde ich beim Metzger Zeuge eine Gesprächs, bei der eine Kundin der Verkäuferin sagte: "Heute gibt es etwas für arme Leute: Arme Ritter. Brötchen in Milch eingeweicht und gebacken". Mit Recht erwiderte die Verkäuferin: "Von wegen arme Leute. Bei uns gabs das nur mit altem Brot".

    Arme Ritter

    Was also essen arme Leute sonst?

    Ich habe ein genial einfaches Gericht gefunden, es kommt aus dem Spreewald. Pellkartoffel mit Sahnetunke. In der Mitte des Tisches stehen Schalen mit Leinöl und mit Salz und eine große Schüssel Pellkartoffeln. Jeder bekommt ein Schüsselchen Saure Sahne und dann werden die Kartoffeln in Öl und Salz getunkt und mit der Sauren Sahne bestrichen. Auch köstlich.

    Schmalzbrot gabs auch noch.

    Ein Ganz-Arme-Leute-Essen ist das auch nicht mehr. Die Preise für Leinöl vor allem, aber auch die für Kartoffeln haben sich mittlerweile etwas verändert.

  • Kalenderblatt: Glaube an Gott und binde dein Kamel fest. Nossrat Peseschkian

    Die zerbrochene Schale

    Eine verheiratete Frau hatte auf einer Reise einen Liebhaber kennen gelernt und mit ihm eine schöne Zeit verbracht. Wieder zu Hause, dachte sie fortwährend an ihren Freund. Nichts erweckte mehr ihr Interesse.

    Der Erfolg des Mannes war ihr gleichgültig wie die Wolken am Himmel. Sie langweilte sich. Vor Trauer und Langeweile hätte sie weinen wollen, musste aber das Weinen unterdrücken, weil sie befürchtete, ihre Tränen könnten sie und ihre geheimen Wünsche verraten.

    Wie unabsichtlich ließ sie am Abend eine kostbare Schale fallen. Die Schale zerbrach, und die Frau fing so herzzerbrechend an zu weinen, dass ihr Mann ihr nicht böse sein konnte.

    Im Gegenteil, zusammen mit der Schwiegermutter tröstete er seine Frau und sagte: „Meine geliebte Frau, so schlimm ist es doch nun wieder nicht. Die Schale ist Deine Tränen nicht wert“.

    Doch die Frau weinte sich ohne Unterbrechung ihre Langeweile und ihren Kummer vom Herzen.

    Ich lernte ihn 1986 kennen: ein kluger, bescheidener, überaus freundlicher Mann. Dabei hatte er damals schon einige Bücher veröffentlicht und es kamen noch etliche dazu.

    Ich hatte ihn eingeladen, einen Abend zum Thema "Interkulturelle Psychotherapie" bei einer Reihe über interkulturelle Medizin am Fachbereich Humanmedizin der Frankfurter Uni zu halten. Er faszinierte alle mit seinem Humor und seinen Geschichten.

    Heute, am 18. Juni, vor 77 Jahren ist Nossrat Peseschkian, geboren. Er starb vor wenigen Wochen in Wiesbaden.

    Nossrat Peseschkian war ein Vermittler zwischen den Kulturen. In Persien (Iran)geboren, kam er 1954 nach Deutschland und brachte die Weisheit seines Volkes mit. Er war der Begründer der "Positiven Psychotherapie", lange bevor das flache "Think positiv" modern wurde.

    In die Psychotherapie brachte er vor allem unglaublich viele Geschichten, Humor und Weisheit ein. Sie sehen, ich bewundere diesen Mann.

    Hier drei seiner Geschichten

    Zum Arzt kam ein Schuster, der unter starken Schmerzen litt und dem Tod nahe
    schien. Der Arzt gab sich Mühe, fand aber kein Rezept, das noch hätte helfen können.

    Ängstlich fragte der Patient: „Gibt es nichts mehr, was mich retten kann?“ Der Arzt antwortete: „Ich kenne leider keine anderen Mittel.“

    Darauf antwortete der Schuster: „Wenn nichts mehr hilft, dann habe ich zum Schluss noch einen Wunsch: Ich möchte einen Eintopf mit zwei Kilo dicken Bohnen und einem Liter Essig.“

    Der Arzt hob resigniert die Schultern: „Ich halte nicht viel davon, aber wenn Sie meinen, können Sie es versuchen.“

    Die Nacht über wartete der Arzt auf die Todesnachricht. Am nächsten Morgen aber war der Schuster zum Erstaunen des Arztes quicklebendig und gesund.

    So schrieb er in sein Tagebuch: Heute kam ein Schuster zu mir, für den es kein Mittel mehr gab. Aber zwei Kilo Bohnen und ein Liter Essig haben ihm geholfen.

    Kurze Zeit darauf wurde der Arzt zu einem schwerkranken Schneider gerufen. Auch in diesem Fall war er am Ende seiner Kunst. Als ehrlicher Mann gestand er dem Schneider dies ein. Der bettelte: „Wissen Sie nicht noch eine andere Möglichkeit?“

    Der Arzt dachte nach und sagte: „Nein, aber vor nicht allzu langer Zeit kam ein Schuster zu mir, der unter ähnlichen Beschwerden litt wie Sie. Ihm halfen zwei Kilo Bohnen und ein Liter Essig.“ „Wenn nichts mehr hilft, werde ich halt das versuchen.“, antwortete der Schneider. Er aß die Bohnen mit Essig und war am nächsten Tag tot.

    Daraufhin schrieb der Arzt in sein Tagebuch: Gestern kam ein Schneider zu mir. Ihm war nicht zu helfen. Er aß zwei Kilo Bohnen mit einem Liter Essig, und er starb. Was für die Schuster gut ist, ist nicht gut für die Schneider.

    Ein Faghih, ein Lehrer in früheren Tagen, las bei einer Unterrichtsvorbereitung in einem klugen Buch, das sieben Weise geschrieben hatten, den Satz: “Kleiner Kopf und langer Bart sind ein untrügliches Zeichen für Dummheit.“

    Voll Interesse nahm er einen Spiegel und betrachtete sich lange Zeit: „ Ich habe einen langen weißen Bart“ sprach er vor sich hin. Angestrengt starrte er weiter in den Spiegel: „Gott bewahre mich, mein Kopf ist auch nicht gerade groß. Wenn ich das Wort der Weisen morgen vor meinen Schülern lese, wie stehe ich dann vor ihnen da?“

    Das unglückliche Zusammentreffen der Merkmale der Dummheit in seiner Person ließ ihn so schnell handeln wie denken: „ Von kurzem Bart und kleinem Kopf als Zeichen von Dummheit steht nichts in dem Buch.“

    Keine Schere war zur Hand, kein scharfes Messer, um den Bart zu kürzen. So griff der Faghih in seinem Eifer nach einem Leuchter, um die verräterische Länge des Bartes zu stutzen. Wie eine Stichflamme fuhr das Feuer an seinem Bart hoch. Bevor er die Flamme löschen konnte, war sein Bart versengt, die Haut seines Gesichtes vom Feuer verbrannt und schwarz vor Ruß.

    Da er sich ohne Bart und mit Brandwunden vor anderen Menschen - erst recht vor seinen Schülern - nicht zeigen konnte, hatte er genügend Zeit zum Nachdenken.

    Neben den verhängnisvollen Satz „Kleiner Kopf und langer Bart sind ein untrügliches Zeichen für Dummheit“ schrieb er in gestochenen Schriftzeichen: „Diese Behauptung hat sich in der Praxis als wahr erwiesen.“

    Die Gläubigen kamen in Scharen, um die Worte des Propheten Mohammed zu hören. Ein Mann hörte besonders aufmerksam und andächtig zu, betete mit gläubiger Inbrunst und verabschiedete sich schließlich vom Propheten, als es Abend wurde.

    Kaum war er draußen, kam er wieder zurückgerannt und schrie mit sich überschlagender Stimme: "Oh, Herr! Heute morgen ritt ich auf meinem Kamel zu dir, um dich, den Propheten Gottes, zu hören. jetzt ist das Kamel nicht mehr da. Weit und breit ist kein Kamel zu sehen. Ich war dir gehorsam, achtete auf jedes Wort deiner Rede und vertraute auf Gottes Allmacht. jetzt, Oh, Herr, ist mein Kamel fort. Ist das die göttliche Gerechtigkeit? Ist das die Belohnung meines Glaubens? Ist das der Dank für meine Gebete?"

    Mohammed hörte sich diese verzweifelten Worte an und antwortete mit einem gütigen Lächeln: "Glaube an Gott und binde dein Kamel fest."

  • Krimiecke: Schneller als der Tod

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    Böse, böse. Aber wer böse Bücher mag, auch gerne mal wissen möchte, wie ich mir notfalls mein Wadenbein selbst herausreißen und daraus einen scharfen Dolch machen kann, der ist bestens bedient.

    Man darf sich nur nicht erschrecken lassen. Das tut Bärentatze alias Dr. Peter Brown auch nicht, als er gerade im Morgengrauen Tauben beobachtet und irgendein Dödel ihm von hinten eine Knarre in den Rücken hält.

    Zwischendurch gibts in Fußnoten höchst Interessantes aus der Medizin, z.B. zu besagtem Wadenbein. Aber am Schluss werden wir belehrt, dass alles, was da steht, gelogen sein kann. Nichts für zarte Gemüter.

  • Kalenderblatt: Siebzigtausend so jung wie du

    Zu Waterloo kann einem vieles einfallen. "Waterloo Sunset" von den Kinks, Abbas Waterloo, Waterloo Station in London, "mein ganz persönliches Waterloo".

    Mir fällt bei dem Namen zuerst ein Lied ein, das wir oft am Lagerfeuer gesungen haben, wenn einer die Klampfe herausholte: "Waterloo, Waterloo - das war die Schlacht von Waterloo".

    Vielleicht ein klein bisschen schnulzig, aber der Text sprach uns aus dem Herzen:

    Waterloo, Waterloo
    das war die Schlacht von Waterloo
    siebzigtausend so jung wie du
    sie liegen dort zur ewgen Ruh
    mit all ihren Träumen
    dort unter den Bäumen
    von Waterloo, Waterloo, Waterloo

    Kaiser Napoleon schaut in den Morgen
    der Feind ist schon in den WÄldern erwacht
    Die Trommel von England klingt dumpf durch den Regen
    um sieben beginnt die entscheidende Schlacht
    Ja heut soll sich Wellington beugen,
    es warten zweihundert Kanonen und mehr
    voran Grenadiere für Freiheit und Ehr.

    Waterloo, Waterloo
    das war die Schlacht von Waterloo
    siebzigtausend so jung wie du
    sie liegen dort zur ewgen Ruh
    mit all ihren Träumen
    dort unter den Bäumen
    von Waterloo, Waterloo, Waterloo

    Und Kaiser Napoleon schaut in den Abend
    es brennen die Dörfer in schauriger Pracht
    Der tiefe Morast war das Grab der Kanonen
    du hast sie verloren, die sinnlose Schlacht
    Dein Name steht groß in den Sternen,
    doch all die nie mehr zurückgekehrt sind,
    die kleinen Soldaten verwehte im Wind.

    Waterloo, Waterloo
    das war die Schlacht von Waterloo
    siebzigtausend so jung wie du
    sie liegen dort zur ewgen Ruh
    mit all ihren Träumen
    dort unter den Bäumen
    von Waterloo, Waterloo, Waterloo

    Drafi Deutscher hat es 1966 gesungen.

    Heute, am 18. Juni, vor 195 Jahren fand die Schlacht bei Waterloo statt, bei der Napoleons Truppen von Briten, Niederländern und Preußen vernichtend geschlagen wurden und viele Tausend Menschen ihr Leben lassen mussten.

    Auch Friedrich Rückert schrieb ein Anti-Kriegs-Gedicht zu Waterloo:

    Das war die Schlacht von Waterloo,
    Die Schlacht von Bellalliangs,
    Die Klang so laut, die Klang so froh,
    So ungestümen Klangs.

    Das war die Schlacht von Waterloo,
    Die Schlacht von Bellalliangs,
    Da klangs doch nur dem Britten froh,
    Nur froh dem Deutschen klangs.

    Es wohnt ein Franzmann nah dabei,
    Dem klingt es noch im Ohr,
    Der hat auch einen Papagei,
    Der sprach so laut zuvor.

    Der Papagei sprach mancherlei,
    Französisch Tag und Nacht,
    So laut noch sprach der Papagei,
    Am Tage vor der Schlacht.

    Und als die Schlacht so laut nun sprach,
    Da schwieg der Papagei,
    Und als er wieder sprach hernach,
    Sprach er nur einerlei.

    Der Franzmann sprach: Bonjour, mein Matz!
    Der Papagei sprach: Bum!
    Der Franzmann sprach: Bon soir, mein Schatz!
    Der Papagei sprach: Bum!

    Bonjour, mein Matz!
    Bum.
    Bon soir, mein Schatz!
    Bum.

    Und weißt du weiter nichts als Bum,
    So bleibe lieber stumm!
    Der Papagei blieb doch nicht stumm,
    Der Papagei sprach: Bum;

    Und weißt du weiter nichts als Bum,
    Den Hals dreh ich dir um!
    Bum. Da dreht er den Hals ihm um,
    Und er sprach sterbend: Bum!

    Drafi Deutscher: Waterloo

    Nebenbei: auch Drafi Deutschers "Welche Farbe hat die Welt?" haben wir oft zur Klampfe gesungen.

  • Kalenderblatt: Sooowas von Doof....

    Einer der doofsten Männer, die ich kenne, war Stan. Deshalb hieß er in Deutschland auch nur "Doof". Sein Freund Oliver hieß "Dick". Stan war so doof, dass er sich bei jeder Aufgabe erst einmal am Kopf kratzen musste. Dick drehte an seiner Krawatte.

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    Ich lernte die beiden im Darmstädter "City-Tageskino" kennen. Das war ein Non-Stop-Kino, in das wir Kinder - wenn wir genügend Geld hatten - zu jeder beliebigen Zeit reingehen konnten, um dann Filme zu sehen, solange wir wollten.

    Immer gab es einen Hauptfilm und dazu gab es neben "Fox tönender Wochenschau" und Werbung lustige Comicfilmchen. Sie zeigten uns Mineymouse in der neuesten Mode, Daniel Düsentrieb mit seinen neusten Erfindungen, Tick, Trick und Track im Pfadfinderlager, den heimtückischen Ede Wolf, der immer Appetit auf die drei kleinen Schweinchen hatte oder Tom, der immer versuchte Jerry zu fressen.

    Vor Ede fürchtete ich mich manchmal wirklich und bangte mit den drei kleinen Schweinchen. Glücklicherweise hatte Ede Wolf einen Sohn, den "kleinen Wolf", den er gerne zum Bösewicht erziehen wollte. Aber der kleine Wolf half immer den Kleinen Schweinchen.

    Tom und Jerry fand ich überhaut nicht witzig, die haben mir nur Angst gemacht.

    Dick und Doof gabs dann als Hauptfilm. Dick war meistens der Chef oder der, der Doof etwas beibringen wollte. Aber im Grunde kapierte er auch nicht, was zu tun war. Sobald die beiden zusammen waren, ging alles schief. Dann brach Doof schon mal in Tränen aus. Hatte Doof wieder etwas versiebt, guckte Dick mit leidendem Gesichtsausdruck ins Publikum. Wenn er überhaupt gucken konnte und Doof ihm nicht gerade einmal wieder aus Versehen seinen Finger ins Auge gebohrt hatte. Es endete immer mit einem wüsten Chaos.

    Die beiden "hießen" im Film Stan und Ollie. Im richtigen Leben hießen sie auch so. Das war ein genialer Schachzug der beiden: so gingen ihnen bei wechselnden Produktionsfirmen die Rechte an den Figuren nicht verloren.

    Heute, am 16. Juni, vor 120 Jahren wurde Stan Laurel geboren. Er starb 1965.

    Stan Laurel hatte die meisten Ideen und war zum Teil auch Regisseur der Filme.

  • Kalenderblatt: Und ist es nicht Wahnsinn, ist es doch Kunst

    Ende der Siebziger Jahre sah ich sie zum ersten Mal in Hamburg in der Kunsthalle, vor ein paar Jahren habe ich sie mir im Heidelberg noch einmal angesehen: die Prinzhorn-Sammlung.

    Faszinierende Kunstwerke, von psychisch kranken Menschen geschaffen. Sie wurden zwischen 1919 und 1922 in der Heidelberger Psychiatrischen Universitätsklinik von dem Psychiater Hans Prinzhorn gesammelt und sind seit 2001 dort wieder zu sehen.

    Als 1922 sein Buch 1922 sein Buch "Bildnerei der Geisteskranken" erschien, waren die Großen der Kunst - Paul Klee, Max Ernst, Pablo Picasso und viele andere - fasziniert.

    1933 wurden die Kunstwerke als Beweisstücke für die "entartete Kunst" ausgestellt, die Künstlerinnen und Künstler wurden getötet.

    Heute, am 14. Juni, vor 77 Jahren starb Hans Prinzhorn.

    Ende der Siebziger Jahre sah ich sie zum ersten Mal in Hamburg in der Kunsthalle, vor ein paar Jahren habe ich sie mir im Heidelberg noch einmal angesehen: die Prinzhorn-Sammlung.

    Faszinierende Kunstwerke, von psychisch kranken Menschen geschaffen. Sie wurden zwischen 1919 und 1922 in der Heidelberger Psychiatrischen Universitätsklinik von dem Psychiater Hans Prinzhorn gesammelt und sind seit 2001 dort wieder zu sehen.

    Als 1922 sein Buch 1922 sein Buch "Bildnerei der Geisteskranken" erschien, waren die Großen der Kunst - Paul Klee, Max Ernst, Pablo Picasso und viele andere - fasziniert.

    1933 wurden die Kunstwerke als Beweisstücke für die "entartete Kunst" ausgestellt, die Künstlerinnen und Künstler wurden getötet.

    Heute, am 14. Juni, vor 77 Jahren starb Hans Prinzhorn.

    "Hexenkopf" von August Natterer:

    August_Natterer: Hexenkopf. Vorderseite

    22E239~1

    Brief an ihren Mann: "Herzensschatzikomm" von Emma Huck:

    Herzensschatzikomm

    Trailer zum Film "Zwischen Wahnsinn und Kunst" von Christian Beetz, Adolf-Grimme-Preis 2008

    Link zur Prinzhorn-Sammlung in Heidelberg

  • Neues aus Brehms Thierreich: Was Jaguare anziehend finden

    Dass manche Frau gerne einen Jaguar hätte, ist klar.

    Ebenso, dass manche Männer gerne einen Jaguar hätten, um Frauen zu imponieren.

    Jaguar

    Josephine Baker hatte einen Panther, mit dem spazierte sie durch Paris. Meine Mutter hatte auch einen Panther, mit dem fuhr sie durch die Stadt.

    Pantherwerke

    Meine Mutter hätte auch gerne einen Leoparden gehabt. Zum Anziehen. Den konnte sich mein Vater aber nicht leisten, so hat sie nur einen kleinen Muff aus irgendwas gehabt.

    Berthe Morisot: Woman with a muff

    Aber was finden Jaguare anziehend?

    Diese naheliegende Frage hat sich nie jemand ernsthaft gestellt. Man ging wohl davon aus, dass Jaguare nur Jaguare anziehend finden, höchstens manchmal auch einen Menschen. Aber immerhin fand der Leopard von Rudraprayag in Indien, Menschen so anziehend, dass er an die 125 von ihnen verspeiste.

    Jetzt aber hat sich die Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society dieser Frage angenommen. Das Ergebnis ist verblüffend:

    Jaguare finden den Duft von "Obsession" einfach unwiderstehlich.

    Ein einziger Spritzer "Obsession" auf einen Baum oder einen Felsen reicht, um selbst Hunderte Meter entfernte Großkatzen anzulocken.

    Sollten Sie also auch einen Jaguar mögen, machen Sie sich doch einen Spritzer auf die Haut bei Ihrer nächsten Safari

    Brehms Thierleben: Jaguar

  • Neues aus Brehms Thierreich: Von Wildsäuen und Gurkentruppen

    Heute mittag gibts bei uns etwas ganz Besonderes:

    Wildsaurouladen

    Zutaten
    4 dünne Wildschweinschnitzel (à 180 g)
    Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer
    2 EL Senf, 1 EL Majoran, 1 TL Thymian, 4 Scheiben geräucherter Speck, 3 Zwiebeln

    1 Gurkentruppe (2 Essiggurken)

    1 Apfel - Mehl - Pflanzenfett - 2 Karotten - 1 kl. Sellerie - 1Glas Rotwein - 1/2 L Wildsauce - 1 EL Preiselbeermarmelade - Obstessig - Weinbrand - 1 Becher Crème fraiche

    Wildschweinschnitzel unter fließendem Wasser abwaschen, trocken tupfen und dünn klopfen.
    Salzen und Pfeffern. Senf mit Majoran und Thymian verrühren, die Schnitzel damit bestreichen.

    Je 1 Scheibe geräucherten Speck darauflegen. 1 Zwiebel fein würfeln

    Gurkentruppe in Scheiben schneiden

    den Apfel schälen, entkernen und ebenfalls würfeln. Die Zwiebel, Essiggurken
    und Apfel miteinander vermischen und gleichmäßig auf die Rouladen verteilen. Die Rouladen
    zusammenrollen, mit Küchenschnur binden. Rouladen im Mehl wenden, Pflanzenfett im Bräter erhitzen und die Rouladen darin anbraten. Karotten, 2 Zwiebeln, Sellerie putzen, in Würfel schneiden, zu den Rouladen geben und kurz mitbraten.

    Mit einem Glas Rotwein ablöschen und mit 1/2 L Wildsauce auffüllen. 1 EL Preiselbeermarmelade
    unterrühren und die Sauce mit Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer und etwas Obstessig abschmecken.
    Im vorgeheizten Backofen bei 200°C die Rouladen 60-70 Min. schmoren lassen. Fertige Rouladen
    herausnehmen, Sauce mit Weinbrand verfeinern, 1 Becher Crème fraiche unterziehen. Nochmals aufkochen, abschmecken.

    So mag ich Wildsäue und Gurkentruppen am Liebsten. Besonders lecker das Schwarzwild aus der Gegend von Wildbad Kreuth und die Gurken aus dem Berliner Spreewald.

    Rezept aus der Broschüre "Natürlich Wild" des Bayerischen Jagdverbandes

  • Kalenderblatt: es gibt ein Leben vor dem Tod

    Einige leben vor ihrem Tode, andere nach ihrem Tode. Die meisten Menschen leben aber weder vor noch nach demselben; sie lassen sich gemächlich in die Welt herein und aus der Welt hinaus vegetieren.

    Gottfried Seume starb heute, am 13. Juni, vor 200 Jahren.

  • Kalenderblatt: Kleiner Trost für meine katholischen Freunde

    Ach, ja, ja! – so seufz’ ich immer –;
    Denn die Zeit wird schlimm und schlimmer.
    Oder kann in unsern Tagen
    Einer wagen, nein! zu sagen,
    Der mit kindlichem Gemüt
    Morgens in die Zeitung sieht?

    Wilhelm Busch: Der heilige Antonius

    Hier Romane, dort Gedichte,
    Malzextrakt und Kursberichte,
    Näh- und Mäh- und Waschmaschinen,
    Klauenseuche und Trichinen – –
    Dieses druckt man groß und breit –
    Aber wo ist Frömmigkeit??? –
    Hält denn nicht, o Sünd und Schand,
    Weltlicher Arm die geistliche Hand,
    Daß man also frech und frei
    Greife den Beutel der Klerisei?!

    Wehe! Selbst im guten Öster-
    Reiche tadelt man die Klöster – –
    Und so weiter und so weiter – – –
    Doch das Ende ist nicht heiter!!!

    Ja, es ist abscheulich, greulich!!
    Aber siehe! wie erfreulich
    Ist’s dagegen, wenn wir lesen,
    Wie man sonsten fromm gewesen;
    Wie z. B. Sankt Anton,
    Unsrer Kirche großer Sohn,
    Litt und stritt und triumphierte –
    Kurz! – ein christlich Leben führte –
    Dieses laßt uns mit Bemühn
    Heute in Erwägung ziehn.

    Heute, am 13. Juni, wird in der Katholischen Kirche des Heiligen Antonius von Padua gedacht, vielleicht der beliebteste Heilige überhaupt.

    Wilhelm Busch schrieb sein Leben auf:

    Wilhelm Busch: Der Hl. Antonius

    Die Geschichte ist in Wikisource zu finden. Hier zwei daraus

    Letzte Versuchung

    Die letzte Versuchung

    Die Wallfahrt

    Die Wallfahrt

    Wenn an Anton gut Wetter lacht, St. Peter viel Wasser macht.
    Bauernregel

    St. Peter ist der 29. Juni

  • Kalenderblatt: Kein Kaltes Herz. Luise Büchner

    Schwarzes Eisen, kalt und spröde,
    Schelten möchte ich dich nicht,
    Weil es dir an Lebenswärme
    Und an Biegsamkeit gebricht.

    Bist du doch in Feuersgluten
    Zischend einst emporgewallt,
    Eh du unter Hammerschlägen
    Musstest werden starr und kalt.

    Und, so sollt auch ihr nicht schelten,
    Wenn ihr seht ein kaltes Herz,
    Sollt ihm heißes Mitleid zollen,
    Weil es gleicht dem toten Erz.

    Wisst ihr denn, ob es nicht glühend,
    Zischend einst emporgewallt,
    Bis es unter Schicksalsschlägen
    Ward wie Eisen starr und kalt?

    "Duldung" von Luise Büchner

    Heute, am 12. Juni, vor 189 Jahren wurde Luise Büchner in meiner Heimatstadt Darmstadt geboren. Luise Büchner war eine Kämpferin für das Recht der Frau auf Berufstätigkeit und Bildung.

    Ihr eigenes enormes Wissen, vor allem zu Literatur, Mythologie, Geschichte und Fremdsprachen hat sie sich autodidaktisch erarbeitet.

    Luise Büchner gründete zusammen mit Großherzogin Alice von Hessen den "Alice-Verein", der die Einrichtung von Ausbildungsstätten für Frauen durchsetzte

    Luise Büchner war die Schwester des Dramatikers und Revolutionärs Georg Büchner.

    Sanfter Trost: Einer Freundin

    Geschieden ist die Sonne,
    Kein Blümlein mag mehr blüh´n,
    Und nur des Epheus Blätter
    Schmückt noch ein sanftes Grün.

    Und freudig uns´re Seele
    Darauf die Hoffnung baut,
    Daß nach dem ödem Winter
    Den Frühling wieder schaut. -

    So wird der bangen Seele
    Die tiefer Schmerz erfüllt,
    Im Lebensgrün der Hoffnung
    Ein neuer Trost enthüllt.

    Ein Frühling lacht ihr wieder,
    Und Blumen pflückt die Hand,
    Fällt manche Wehmuthsthräne
    Auch auf des Kelches Rand.

    Und wie der Epheu innig
    Sich Rank´an Ranke schmiegt,
    wird die Seele stiller
    An Freundes Herz gewiegt.

    Luise Büchner (1821 - 1877)

  • Soviel über Fremde

    Methusalix über Fremde:

    Methusalix über Fremde

    Die Bibel über Fremde:

    Der Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer.
    3.Mose 19,34
    Tageslosung für Samstag, 12. Juni

  • Neues aus Brehms Thierreich: Spezialisten verdrängen Allrounder

    Widerruf:

    "Freiwillig würden Nashörner nicht nach Europa kommen"

    behauptete ich unlängst aus Anlass des denkwürdigen 495. Jahrestages des Betretens europäischen Bodens durch ein Nashorn.

    Mit Bedauern muss ich diese Aussage zurücknehmen. Sie ist nach neueren Forschungsergebnissen nicht zu halten. Vielmehr haben Nashörner sehr lange in Europa gelebt.

    Auch meine statistischen Berechnungen, wonach sich die Nashornpoulation in Europa in den letzten 500 Jahren um "sage und schreibe 5000 % erhöht" hat, muss ich relativieren. Erhöht man nämlich den Erfassungszeitraum um nur einige Jahre, so ändert sich das Bild grundlegend. Während der vergangenen 2,6 Millionen Jahre lebten in Europa nicht weniger als sechs verschiedene Arten von Nashörnern.

    Erst am Ende der letzten Eiszeit haben die Nashörner beschlossen, Europa den Rücken zu kehren.

    Traurige Folgen des Verdrängungswettbewerbs

    Traumatische Erfahrungen mit dem europäischen Verdrängungswettbewerb musste vor allem das hier ansässige Hundsheim-Nashorn machen.

    In gutem Glauben an die Behauptungen der Evolutionsforscher hatten die Hundsheimer sich eigentlich vorzüglich auf diesen Wettbewerb vorbereitet und sich eine breite Nahrungszufuhr gesichert. Ihr Gebiss und ihre Verdauung waren so ausgestattet, dass sie fast alles fressen konnten, vergetarische Lebensweise vorausgesetzt.

    Dies ging aber nur etwa 800.000 Jahre gut. Dann kamen andere Nashörner auf die Idee, sich zu spezialisieren. Es gründete sich eine Steppennashorngesellschaft und eine Waldnashorngesellschaft. Diese Gesellschaften konnten wesentlich effektiver die jeweilige Nahrungslandschaft abgrasen. Die Hundsheimer mussten ihr Geschäft aufgeben und verließen Europa.

    Langandauernde Kälteperiode führt zu Betriebsschließungen

    Während einer länger andauernden Kälteperiode, der "Weichseleiszeit" mussten dann aber auch die Steppen- und Waldnashörner ihren Betrieb einstellen. Selbst die als Notmaßnahme gegründete Wollnashorngesellschaft stellte ihren Betrieb schließlich ein.

    Mehr lesen zu Nashornplage in Europa

    Rauhohr-Nashorn in Brehms Thierleben 1927

  • Neues aus Brehms Tierleben - Zum Staunen und Schmunzeln

    Als ich las, dass 1948 ein Pastor in Wittenberg eine "Neue Brehm Bücherei" herausgegeben hat, stand mein Entschluss fest: auch ich will an diese Tradition anknüpfen und Ihnen hier "Neues aus Brehms Thierleben" erzählen.

    In jedem bürgerlichen Haushalt war früher "Brehms Thierleben" Pflicht. Damit der interessierte deutsche Soldat auch im Schützengraben seinen Bildungseifer befriedigen konnte, gab es im 2. Weltkreig sogar ein Feldpostausgabe, die aber überraschenderweise 1945 nach dem 1. Band eingestellt wurde. Illustriert waren die Bände mit anschaulichen Zeichnungen. In unserem Bücherregal stand natürlich nicht die 13-bändige Ausgabe, die 1911 - 1918 erschien, sondern der "kleine" Band "Das Thierreich nach Brehm".

    Sie werden staunen, was es alles aus dem Thierreich zu berichten gibt.

    Zunächst möchte ich auf ältere Artikel von mir hinweisen:

    Schaf fällt auf Kind
    Trendforscher berichten: immer mehr Stalltiere fallen vom Dach
    Jetzt fliegen schon die Schweinshaxen
    Lösung für rätselhafte Haustierflüge gefunden?
    Uschi ist keine wilde Kuh
    Warum ist Uschi keine wilde Kuh?
    Dem einen sin Uhl ist dem andern sin Nachtigall
    Nashornplage in Europa
    Im Alter zähme ich Eichhörnchen

    Und jetzt dürfen Sie gespannt sein auf Neues aus Brehms Thierreich.
    Demnächst in diesem Theater:

    - Spezialisten verdrängen Allrounder
    - Haben Sie schon mal einem Affen zugeguckt?
    - Von Wildsäuen, arroganten Affen und Gurkentruppen
    - Elefanten reisen

  • Kalenderblatt: Es will mer net in de Kopp enei

    Es gibt Dinge, die sollte es eigentlich nicht geben. Dazu gehören:

    • ein Mädchen ohne Schatz
    • ein Pfäffchen ohne Glatz
    • ein Zipfel ohne Wurst
    • ein Schütze ohne Durst

    Auf Frankfurterisch gesagt:

    E Mädche ohne Schatz
    e Päffche ohne Glatz
    e Zippel ohne Worscht
    un Schitze ohne Dorscht -
    no, daß merr so was kann
    fu Dweiwel, was e Schann

    Nein, dass man so was kann - Pfui Teufel, was für eine Schande.

    Heute, am 10. Juni, vor 168 Jahren wurde der Frankfurter Nationaldichter Friedrich Stoltze geboren.

    Es is kaa Stadt uff de weite Welt,
    die so merr wie mei Frankfurt gefällt,
    un es will mer net in mein Kopp enei;
    wie kann nor en Mensch net von Frankfurt sei!

    Zugegeben, auch das ist eine Frage, über die ich unaufhörlich grüble: wie kann nur ein Mensch nicht von Frankfurt sein. Allerdings, weil zwei Seelen in meiner Brust wohnen. Seit über 25 Jahren wohne ich in dieser schönsten deutschen Stadt, aber irgendwie bin ich mein Leben lang auch Darmstädter geblieben, habe also einen Migrantenhintergrund, bin eigentlich nur ein
    "Oigeblaggter", ein Eingeblaggter, Zugereister.

    Ab und zu - leider viel zu selten - halte ich Mundartpredigten, das ist dann eine wilde Mischung aus Darmstädterisch ("Hoinerdeitsch") und Frankfordererisch. Für Eingeweihte eine Tortur, denn da liegen ja Welten dazwischen, für alle anderen "Neuhessisch".

    Ein Glück jedenfalls, dass ich nicht aus Offenbach bin. Die kann man hierzulande gar nicht gut leiden.

    Was is des Ofebach for e Stadt!
    Sie hawe's ganz in der Näh gehabt
    un hawe's verbaßt von Aabeginn,
    daß se net aach von Frankfort sin.

     

  • Kalenderblatt: Über Tagespläne, Mahlzeiten und Zeiten

    Als ob der mich kennen würde, schrieb er über meine Arbeitsmoral:

    gestern machte ich mir einen tagesplan für heute
    heute stehe ich auf und schaue lange nicht darauf
    es steht darauf was noch nicht getan ist
    und noch heute soll das alles getan werden
    und wer soll es sein der das tut
    diese frage ist nicht gut
    und die antwort darauf auch nicht

    Heute, am 9. Juni, vor 10 Jahren starb Ernst Jandl.

    Hören Sie selbst, was er zu den heutigen Zeiten meinte:

    und zu meiner letzten Mahlzeit:

    Ein Künstler der Sprache.

  • Kalenderblatt: Vor Schmutz und Schund wird gewarnt

    Nach dem Krieg kam aus Amerika zu uns eine Welle von Schwutz und Schmund herübergeschwabbt. Sogenannte "Comic Stips", die uns Kindern das Sprachgefühl nehmen sollten. Da wurde nicht mehr in anständigen ganzen Sätzen geredet, wie Sie es hier von mir gewohnt sind, sondern nur in abgehackten Sätzen. Und Gedanken wurden nicht mehr im Konjunktiv dargestellt, sondern mittels aus dem Kopf aufsteigender Bläschen.

    Meine Eltern haben mir die Lektüre solcher Schmatz- und Schmandhefte natürlich untersagt.

    In der Kirche bekam man Comic-Striphefte gegen "gute Literatur", das waren kleine Erzählhefte aus dem frommen Aussaat-Verlag eingetauscht. Das war eine ganz gute Alternative, wenn das Heft ausgelesen war und sich kein Tauschpartner finden ließ.

    Heute, am 9. Juni, vor 76 Jahren trat Donald Duck, die eindeutige Hauptfigur der schönsten Hefte, bereits in seinem ersten Film "Die kluge kleine Henne" auf.

    Heute, am 9. Juni, vor 57 Jahren trat das Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften in Kraft.

  • Vor Baggerseen wird gewarnt

    Meine Güte, das war doch gestern nur ein ganz harmloser Beitrag zum Schwimmen im Baggersee. Zugegeben, leicht anarchistisch. angehauch´t. Aber doch nur ganz leicht:

    Und in den neuen Stacheldraht, da schneiden wa uns n Loch - hoffentlich geht das noch

    Kaum veröffentlicht, erfolgt die prompte Reaktion der Staatsgewalt.

    Nach Veröffentlichung meines kleinen Beitrags ließ das für mich zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt in der Press heute mitteilen:

    WILDES BAGGERN KANN LEBENSGEFÄHRLICH SEIN

    Darmstadt. Wildes Baden in Baggerseen kann lebensgefährlich sein - darauf hat das Regierungspräsidium Darmstadt am Dienstag hingewiesen. Die Uferböschungen seien oft sehr steil, Erdreich könne abrutschen. Wenn eiskaltes Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche ströme, drohe ein gefährlicher Kälteschock. Regierungspräsident Johannes Baron riet dringend, nur an freigegebenen Seen und Uferabschnitten zu baden und Verbote zu beachten. Im vergangenen Jahr seien 30 Menschen in Hessen ertrunken

    FNP vom 09.06.2010

    Demgegenüber haben die ortsansässigen Winzer Verständnis für die jungen Menschen, die ja sonst kein Vergnügen haben, weil ohne Moos nix los. Nach Veröffentlich meines Artikels entschloss sich ein Winzer aus dem Rheingau, seinen Spitzenriesling im Baggersee zu lagern.

    Winzer versenkt Wein in Diezer Baggersee
    Die Lagerbedingungen unter Wasser gelten angesichts konstanter Temperaturen zwischen sechs und acht Grad Celsius als sehr gut. Deshalb lagert ein Winzer aus dem Rheingau seinen Spitzenriesling fortan in einem Baggersee in Diez.

    Lagerstätte für Spitzenriesling: Winzer versenkt Wein in Diezer Baggersee

    08. Juni 2010 Ein Weingut aus dem Rheingau hat eine ungewöhnliche Lagerstätte für seinen Spitzenriesling ausgewählt: den Grund des Baggersees in Diez bei Limburg. Christian Ress vom Hattenheimer Weingut Balthasar Ress versenkte am Dienstag zusammen mit einer Tauchgruppe mehrere riesige Flaschen in rund 18 Metern Tiefe. Dort soll der Weißwein in Stahlkisten drei Jahre lang reifen, bevor er wieder nach oben geholt wird.

    Auf dem Grund des Sees seien die Lagerbedingungen sehr gut, da sich die Temperatur nur zwischen sechs und acht Grad Celsius bewege, sagte Ress. Insgesamt wurden eine Zwölfliterflasche und 18 Magnumflaschen mit je 1,5 Litern Wein versenkt. Dem Deutschen Weininstitut in Mainz ist keine ähnliche Aktion von einem Winzer in Deutschland bekannt.

    FNP vom 09.10.2010

    Da macht das Baden im Baggersee doch gleich noch viel mehr Spaß. Aber treibt es bitte nicht zu wild, davor warnt das Regierungspräsidium mit Recht

  • Kalenderblatt: Letztn Somma warn wir schwimmen

    Cochise war Häuptling der Chiricahua-Apachen. Heute, am 8. Juni, vor 136 Jahren starb er. Dee Brown hat ihm ein Kapitel seines Buches "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses" gewidmet.

    Aber von dem Cochise will ich gar nicht erzählen, sondern von den Cochise. Die fallen mir nämlich bei diesem Namen unweigerlich ein. Eine Band, deren Namen Programm war. Eine anarchistische Band, die in den frühen 80er Jahren lust- und kraftvoll Musik machte.

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    Ich traf sie mehrmals: an der Startbahn West, in Wackersdorf und natürlich in Bonn bei der großen Friedensdemo.

    Ihr vielleicht unpolitischstes Lied ist mir am meisten in Erinnerung mit dem unvergesslichen und wahren Satz

    "...da sind wir raus zum Baggersee, wir hatten ja kein Moos - und ohne Moos nix los"

    Letztn Somma warn wa schwimmn
    Musik: Loudon Wainwirht III
    Text: Budde, Brandi, Freiberg, Hoffmann
    Ein Cochise "Küchentischtext". Kollektiv geschrieben über das Baggerloch Silbersee.

    Letztn Somma warn wa schwimmn
    Letztn Somma war ganz groß
    Da sind wa hin zum Baggersee
    Wir hattn ja kein Moos
    Und ohne Moos nix los

    Letztn Somma ging die Post ab
    Da war der Himmel blau
    Das Wasser warm
    Die Wiesn grün
    Wir hattn was zum ziehn
    Das hattn wa uns geliehn

    Es schwamm der dicke Dieter
    Es schwamm der dünne Pit
    Da kam der weiße Hai vorbei
    Und nahm se beide mit
    Der dünne Pit entglitt

    Ich hab ne Gummiente
    Der Karl n Rettungsring
    Der Günter saß im Paddelboot
    Und fing noch an zu singn
    Als er schon unterging

    Und nächstes Jahr geht's wieder
    Zu unserm Baggerloch
    Und in den neuen Stacheldraht
    Da schneiden wa uns n Loch
    Hoffentlich geht das noch

    Hier gibt es noch mehr Lieder von Cochise

  • Kalenderblatt: ein armer Großstadtspatz

    Anstat der üblichen Statistik
    Gönnt der Autorin etwas Mystik!
    Die ganz privaten Lebensdaten
    Wird euch ihr Grabstein einst verraten.
    Doch mögt ihr, wollt ihr sie beschenken,
    Am siebten Juni an sie denken.

    Berlin_GTafel_Kaleko

    Das will ich hiermit tun. Wohl meine liebste Dichterin. Voll Melancholie und voll Heiterkeit ihre Gedichte.

    Heute, am 7. Juni, vor 103 Jahren wurde Mascha Kaléko in Chrzanów in Polen geboren, mit 7 kommt sie nach Frankfurt, mit 9 nach Marburg, mit 11 nach Berlin. Mit 31 muss sie nach New York emigrieren. 1955, mit 48 Jahren, reist sie zum ersten Mal wieder nach Europa. 1936 wird ihr Sohn Steven geboren.

    Ihm schrieb sie das folgende Gedicht:

    An mein Kind

    Dir will ich meines Liebsten Augen geben
    Und seiner Seele flammenreiches Glühn.
    Ein Träumer wirst du sein und dennoch kühn
    Verschloßne Türen aus den Angeln heben.

    Wirst ausziehn, das gelobte Glück zu schmieden.
    Dein Weg sei frei. Denn aller Weisheit Schluß
    Bleibt doch zuletzt, dass man hienieden
    All´seine Fehler selbst begehen muss.

    Ich kann vor keinem Abgrund dich bewahren,
    Hoch in die Wolken hängte Gott den Kranz.
    Nur eines nimm´ von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines - sei es ganz!

    Du bist, vergiß es nicht, von jenem Baume
    Der ewig zweigte und nie Wurzeln schlug.
    Der Freiheit Fackel leuchtet uns im Traume -
    Bewahr´den Tropfen Öl im alten Krug!

    1959 zieht sie nach Jerusalem. Ihr geliebter Sohn Steven stirbt 1968 mit 32 Jahren.

    Mascha Kaléko blieb überall eine Fremde.

    Ihre Gedichte werden in Deutschland erst in den letzten Jahren wiederentdeckt.

    Ein kluger Franzose hat einmal gesagt,
    Man sei niemals glücklich auf Erden.
    Man erinnre sich nur, es gewesen zu sein.
    Und hoffe, es wieder zu werden.

    Dass jede Rose Dornen hat,
    Scheint mir kein Grund zum Klagen.
    Solange uns die Dornen nur
    Auch weiter Rosen tragen.

  • Kalenderblatt: Ein Loblied auf den YMCA

    Ein Loblied auf den YMCA

    sangen die Village People wohl kaum, obwohl man es durchaus als solches hören konnte. Vom Text her war es die reine Werbung für den YMCA, die "Young Men Christian Association".

    Young man, there's a place you can go.
    I said, young man, when you're short on your dough.
    You can stay there, and I'm sure you will find
    Many ways to have a good time.

    It's fun to stay at the y-m-c-a.
    It's fun to stay at the y-m-c-a.

    Aber zwischen den Zeilen war der Song eine Werbung für das Schwulsein.

    They have everything for you men to enjoy,
    You can hang out with all the boys ...

    It's fun to stay at the y-m-c-a.
    It's fun to stay at the y-m-c-a.

    Und was ist YMCA wirklich?

    Heute, am 6. Juni, vor 176 Jahren wurde in London der erste "YMCA" gegründet. Er hatte das Ziel, jungen Menschen in der Großstadt Lebensorientierung zu geben. Im eigenen Vereinshaus erfuhren sie Lebenshilfe und Unterweisung durch die Bibel. Aus dieser Idee entstand in wenigen Jahren eine weltweite Bewegung.

    1855 trafen sich in Paris junge Männer aus verschiedenen Verbänden und legten die einheitliche Grundlage für alle CVJMs fest. Heute sind in 125 Nationalverbänden 30 Millionen Mitglieder weltweit miteinander verbunden.

  • Kalenderblatt: das beste Waschmittel, das es je gab

    Seit meine Mutti gestorben ist, muss ich ja leider meine Wäsche selbst waschen.

    Meine Mutti hatte noch ein Waschmaschine und eine extra Schleuder. Die musste ich immer festhalten, sonst wäre sie uns durch die Küchentür abgehauen, so sehr ist sie rumgesprungen.

    Meine Mutti hat auch noch Kochwäsche bei 90 Grad gewaschen, wie sichs gehört. Deshalb heißt sie ja schließlich Kochwäsche, obwohl ich selbst das nie verstanden habe, weil Wasser ja schließlich nicht bei 90, sondern erst bei 100 Grad kocht.

    Bevor wir eine Waschmaschine hatten, bin ich mit meiner Mutti in den Waschsalon gegangen. Und bevor es den Waschsalon gab, hatten wir im Hof eine Waschküche mit einem riesengroßen Bottich, unter dem man Feuer machen konnte und in dem die Wäsche gewaschen wurde.

    Sie sehen: ich bin sozusagen mit Wäschewaschen aufgewachsen, wenigstens mit Zugucken beim Wäschewaschen.

    Wo finde ich ein gutes Waschmittel?

    Aber eins bringt mich schier um den Verstand: Ich finde das beste Waschmittel nicht mehr.

    Das ist nämlich einwandfrei "Persil 59 - das beste Persil, das es je gab". Das habe ich als Kind so gelernt und davon rücke ich nicht ab.

    Heute, am 6. Juni, vor 103 Jahren wurde zum ersten Mal Persil verkauft

    Die erste Werbesendung im Fernsehsendung war auch von Persil

    Aber es muss ja nicht alles weiß sein:

  • Im Alter zähme ich Eichhörnchen

    Rechtzeitig zu diesem wunderschönen Wochenende habe ich mir eine Bank gekauft.

    Das wollte ich schon länger, aber sie sollte drei Anforderungen erfüllen: sie sollte schön sein, sie sollte bequem sein und sie sollte billig sein.

    Schöne Bänke habe ich viele gesehen, aber die waren nicht bequem. Bequeme Bänke habe ich gesehen, aber die waren nicht billig. Billige Bänke habe ich gesehen, aber die waren nicht schön. Aber jetzt hab ich sie gefunden.

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    Jetzt habe ich sie gefunden und natürlich gleich an "ihren" Platz gestellt. Den hatte ich schon vorher ausgesucht. Ich vertrete nämlich den Standpunkt, dass es für jede Bank immer den richtigen Platz gibt. An verschiedene Stellen meines Gartens hatte ich schon probegesessen.

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    Dieser Platz ist genial. Schattig, ich gucke in die Rosen und linkerhand mein kleiner Teich. Ich sehe mich da schon sitzen. Wenn einmal die Sonne scheint (wie eben gerade) und ich nicht einen Blog schreibe über das Auf-der-Bank-im-Schatten-Sitzen (wie eben).

    Ich habe auch schon einen Plan, was ich da machen werde.

    Neben die Bank kommt ein Tischchen für ein Gläschen Bier. Wenn ich Pfeife rauchen würde, käme auch noch die Pfeife hin. Und vor meine Füße käme ein Schälchen mit Nüssen für die Eichhörnchen.

    Ich werde anfangen, Eichhörnchen zu zähmen.

    Sie müssen wissen, ich werde nächstes Jahr 60.

    Da macht man sich langsam schon Gedanken, was man im Alter machen könnte. Und das habe ich in einem Online-Ratgeber für die Golden-Age-Generation, zu der ich ja schon gehöre, gelesen.

    Die haben zwar geschrieben, eigentlich solle man das nicht machen. Weil Eichhörnchen wilde, scheue Tiere sind und ihr Futter gut selbst finden können. Man solle sie nicht vrwöhnen. Aber andererseits, stand da, für einen alten Menschen sei so ein zahmes Tierchen doch etwas Putziges.

    Das hatte ich auch schon beim alten Geheimrat gelesen:

    Warum gibt uns die Betrachtung unseres heimischen
    Eichhörnchens so viel Vergnügen? Weil es als die höchste Ausbildung seines Geschlechtes eine ganz besondere Geschicklichkeit vor Augen bringt.

    Gar zierlich behandelt es ergreiflich kleine appetitliche Gegenstände, mit denen es mutwillig zu spielen scheint, indem es sich doch nur eigentlich den Genuß dadurch vorbereitet und erleichtert.

    Dies Geschöpfchen, eine Nuß eröffnend, besonders aber einen reifen Fichtenzapfen abspeisend, ist höchst graziös und liebenswürdig anzuschauen.

    Johann Wolfgang von Goethe

    Als Kind dachte ich, Eichhörnchen sind von Natur aus zahm.

    Wenn wir meinen Opa besuchen gingen, der auf dem wunderschönen Alten Friedhof in Darmstadt lag, kamen immer Eichhörnchen ganz nahe an einen ran und ließen sich füttern.

    Die beiden in meinem Garten (oder sind es sogar mehr?) hauen immer sofort ab, wenn sie mich sehen. Gut, das mag auch daran liegen, dass ich mittlerweile einen Bart habe. Aber eher vielleicht doch daran, dass Eichhörnchen wilde, scheue Einzelgänger sind. Wie ich im Grunde meines Herzens ja auch.

    Also werde ich mich dahin setzen und warten.

    Und eines Tages werden die beiden sehen, dass ich ein guter Mensch bin, und dann werden sie ganz zutraulich werden.

    Sie werden es nicht glauben: die Eichhörnchen bringen Leben in meine Bude,

    jedenfalls im Garten manchmal. Wenns in meinem ruhigen, trauten Garten einmal laut wird, können Sie sicher sein, dass es die Eichhörnchen sind. Dann jagen sich wieder zwei von diesen roten Gesellen durch die Kiefer. Weiß der Himmel, was die da machen.

    Bei den Eichhörnchen ist das so: zweimal im Jahr gibt es wilde Verfolgungsjagden. Ich weiß auch nicht, ob ich denen das abgewöhnen kann, wenn sie erst einmal zahm sind. Wenn mehrere Männer eine Frau verfolgen, bekämpfen die sich erst gegenseitig. Verfolgen muss der Mann die Frau aber immer, das gehört zum Spiel.

    Eichhörnchenmänner sind im Grunde arm dran.

    Nach der Paarung müssen sie abhauen. Manche wollen lieber bleiben, aber sobald die Jungen da sind, werden sie von den Weibchen solange gebissen, bis sie flüchten. Und selbst die stärksten Eichhörnchenböcke (so heißen die wirklich!) wehren sich nicht, gegenüber den Frauen haben die einfach eine Beißhemmung.

    Jetzt kommt's: Eichhörnchen sind doch sozial eingestellt

    Forscher haben jetzt aber was ganz Interessantes festgestellt. Obwohl Eichhörnchen extreme Einzelgänger sind, besinnen sie sich doch manchmal auf ihre soziale Ader. Zwar ziemlich selten, aber immerhin. Aber nur, wenn es sich um einen nahen Verwandten handelt, ein Geschwisterchen, einen Neffen oder eine Nichte. Dann nehmen die die schon mal auf und säugen sie. Aber natürlich: wieder nur die Frauen.

    Und was machen die Männer?

    Das kann man im Frankfurter Stadtwald beobachten, wo pflichtbewusste Eichhörnchenmänner ihrem König beim Bäumewechslen behilflich sind:

    König der Eichhörnchen

    "Welch erhabener Anblick! Der König der Eichhörnchen wechselt den Baum."
    rief F.K. Waechter da voll Entzücken aus.

  • Kalenderblatt: ein sensationell mutiges Weib

    "Das sensationellste Weib, das Menschenaugen je gesehen haben", schwärmte Ernest Hemingway, der ja durchaus schon manche Frauen gesehen hatte.

    Heute, am 3. Juni vor 104 Jahren, wurde sie unehelich in St. Lous in Missouri geboren. Ihre Mutter verdiente ihr Geld als Wäscherin. Ihr Vater war ein jüdischer Straßenmusiker.

    Schon als Kind wurde sie zweimal als Hausmädchen in "Pflege" gegeben. Einmal ließ man sie fast verhungern, beim zweiten Mal kam der Hausherr nachts in ihr Zimmer.

    Mit 11 musste sie ein Rassenpogrom erleben, bei dem an die hundert Schwarze ermordert wurden. Mit 13 wurde sie mit einem wesentlich älteren Mann zwangsverheiratet.

    Im gleichen Jahr trat sie zum ersten Mal als Komparsin, mit 16 als Tänzerin auf. Mit 17 tanzte sie am Broadway.

    New York galt zwar in den Staaten als tolerante Stadt, aber noch 1951 berichtete der STERN über ihren Besuch in New York:

    Josephine Baker, die Negertänzerin, die schon auf ihrem letzten Gastspiel in den amerikanischen Südstaaten die Rassendiskriminierung zu spüren bekommen hatte, erlitt nun auch in dem für seine Rassentoleranz gerühmten New York eine peinliche Abfuhr.

    Mit 22 eroberte sie das Pariser Publikum mit ihren Auftritten im Théâtre des Champs-Elysées.

    An ihren wahnwitzigen, Zuckungen, wilden Verrenkungen und Luftsprüngen schien der Rhythmus sich zu entzünden... Es war, als fange der Jazz die Schwingungen dieses Körpers im Fluge auf. In dem Pas de deux der Wilden lag eine ungezügelte Brillanz, eine phantastische Vitalität...

    So beschrieb der französische Tanzkritiker André Levinson 1925 die Tänzerin Josephine Baker.

    Josephine_Baker_4

    Ich war nicht wirklich nackt. Ich hatte nur keine Kleider an.
    Josephine Baker

    Josephine Baker war nicht nur eine unglaublich begabte Tänzerin und Sängerin. Aus den Erfahrungen ihres Lebens zog sie politische und persönliche Konsequenzen.

    In Berlin waren die Vorstellungen des "Halbaffen" von SA-Gruppen gesprengt worden. DER STÜRMER schrieb:

    Wer ist Josephine Baker? Die verkörperte Sünde wider das Blut!
    Das Produkt rassenschänderischen Beischlafes zweier Menschen, (?) ein Mischling, ein Bastard.
    Ihr Vater ist ein Neger und ihre Mutter eine weiße Frau germanischer Herkunft.

    Auf der Überfahrt von Amerika nach Frankreich muss sie - weltbekannt - als Farbige auf dem Unterdeck bleiben.

    Als die Deutschen in Frankreich einfallen, macht Joséphine Baker ihr inzwischen erworbenes Schloss "Les Milandes" zu einem Hort des Widerstandes, versteckt Mitglieder der Résistance, schmuggelt Botschaften. Sie macht den Pilotenschein, wurde Leutnant. Sie Nach dem Krieg wurde sie dafür in die Ehrenlegion aufgenommen. Charles de Gaulle verleiht ihr das Goldene Lothringerkreuz.

    1963 marschiert sie an der Seite von Martin Luther King nach Washington, neben ihm ist sie die Hauptrednerin der Kundgebung.

    Sie ist von dem Gedanken beseelt, ein Beispiel für das Zusammenleben der Völker zu geben und adoptiert nach und nach 12 Kinder alle Hautfarbenschattierungen, ihre "Regenbogensippe".

    Dieses Lebensprojekt in ihrem Schloss ruiniert sie völlig, das Schloss wird schließlich zwangsversteigert. Fürstin Grace von Monaco schenkt ihr schließlich eine kleine Villa.

    Ihre autobiograhische Revue "Josephine" wird 1975 in Paris aufgeführt, begeistert bejubelt und erhält die besten Kritiken ihres Lebens. 4 Tage darauf stirbt sie an einer Gehirnblutung.

    Als erste Amerikanerin erhielt sie in Paris ein Staatsbegräbnis und wurde mit 21 Salutschüssen geehrt.

    Josefine Baker wäre heute 104 Jahre alt geworden. Sie inszenierte ihr Leben mit Erotik und Humor. Dahinter verbarg sich eine mutige und aufrechten Frau, die Menschlichkeit und Widerstand gegen Diskriminierung und Diktatur lebte.

  • Kalenderblatt: Vom Scheitern

    Hast du jemals etwas so bildschön zusammenbrechen sehen?

    Der erlösende Satz nach der Katastrophe, bevor der Tanz beginnt. Wer Anthony Quinn einmal in der Rolle des Sorbas in "Alexis Sorbas" gesehen hat, wird weder Anthony Quinn noch diesen Satz vergessen.

    Mit viel Mühe hat Sorbas eine Seilbahn gebaut, die Holzstämme vom Gebirge ins Tal bringen soll. Bei der feierlichen Einweihung werden die ersten Stämme ins Tel befördert, dann werden sie unter dem Gewicht immer schneller, der erste Holzpfeiler bricht und wie ein Domino stürzt die ganze Bahn in sich zusammen. Alles flüchtet, alles rennt...

    Alexis Sorbas ist einen Moment gelähmt, dann kommt dieser große Satz.

    Kann Scheitern bildschön sein?

    Wahrscheinlich nur im Kino. Scheitern ist nie schön. Scheitern kränkt und Scheitern lässt manchmal verzweifeln. So wird es selten gelingen, das Scheitern so humorvoll zu sehen wie Alexis Sorbas.

    Ihm gelingt das, indem er radikal sein "Projekt" von seiner "Person" trennt. Nicht Sorbas ist gescheitert, sondern "nur" sein Projekt Seilbahn.

    Die Bibel geht noch einen Schritt weiter. Für sie gehört das Scheitern zum Normalfall des Lebens. Menschen sind und bleiben unvollkommen. Sie machen Fehler, scheitern. In all dem wachsen sie auf Gott hin.

    Nicht nur im Gleichnis vom "Verlorenen Sohn" findet man die Botschaft, dass kein Scheitern dem Menschen seine Würde nehmen kann - die Bibel nennt das "uns von der Liebe Gottes trennen kann."

    "Alexis Sorbas" ist sicher einer der schönsten Filme der Filmgeschicht. Die Musik zum Film stammt von Mikis Theodorakis.

    Heute, am 3. Juni vor 9 Jahren starb Anthony Quinn.

    Das Ideal

    Ja, das möchste:
    Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
    vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
    mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
    vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn -
    aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

    Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

    Neun Zimmer – nein, doch lieber zehn!
    Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
    Radio, Zentralheizung, Vakuum,
    eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
    eine süße Frau voller Rasse und Verve -
    (und eine fürs Wochenend, zur Reserve) -
    eine Bibliothek und drumherum
    Einsamkeit und Hummelgesumm.

    Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
    acht Autos, Motorrad – alles lenkste
    natürlich selber – das wär ja gelacht!
    Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.

    Ja, und das hab ich ganz vergessen:
    Prima Küche – erstes Essen -
    alte Weine aus schönem Pokal -
    und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
    Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
    Und noch ne Million und noch ne Million.
    Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
    Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.

    Ja, das möchste!

    Aber, wie das so ist hienieden:
    manchmal scheints so, als sei es beschieden
    nur peu à peu, das irdische Glück.
    Immer fehlt dir irgendein Stück.
    Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
    hast du die Frau, dann fehln dir Moneten -
    hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
    bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

    Etwas ist immer.
    Tröste dich.

    Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
    Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
    Daß einer alles hat:
    das ist selten.

    (Kurt Tucholsky)

  • Krimiecke: Erbarmen

    Carl Morck wird hochgelobt. Der Kriminalkommissar nervt seine Kollegen. So bekommt er ein eigenes Dezernat, aber im Keller des Präsidiums. Als Putzkraft bekommt er den schrulligen Syrer Assad zugeteilt. Morck soll nun alte, unaufgeklärte Fälle wieder aufrollen.

    Assad enpuppt sich als Perle. Zusammen bilden die beiden ein merkwürdiges Team. Morck will lieber mit der schönen Kriminalpsyschologin anbändeln als an seinem Fall arbeiten. Nur widerwillig geht er an die Arbeit.

    Von Seite zu Seite wächst die Spannung bis zum wahrhaft explosiven Ende.

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